Wer war Viktor Emanuel II.

Viktor Emanuel II. (1820–1878) war der letzte König von Sardinien (ab 1849) und der erste König Italiens (ab 1861 bis zu seinem Tod 1878). Er war weder Intellektueller noch Visionär: Er war ein pragmatischer Militär, leidenschaftlicher Jäger, Liebhaber des Hoflebens und der Frauen — er hatte zahlreiche Liebschaften, darunter die lange und halböffentliche mit Rosa Vercellana, der „Bela Rosin", die er 1869 morganatisch heiratete.

Seine Rolle im Risorgimento war weniger intellektuell als die Cavours und weniger romantisch als die Garibaldis. Er war in erster Linie der institutionelle Garant: Indem er das Statuto Albertino (die piemontesische Verfassung von 1848) in einer Zeit aufrechterhielt, in der viele europäische Könige es aufgehoben hätten, ermöglichte er dem Einigungsprojekt, sich um eine glaubwürdige konstitutionelle Monarchie zu entwickeln.

Der Beiname und die Legende

Viktor Emanuel II. war als der „Galantuomo-König" bekannt — der König, der sein Wort hält. Der Beiname entstand aus seiner Entscheidung, das Statuto Albertino nach der Niederlage im ersten Unabhängigkeitskrieg (1848–1849) nicht zu widerrufen, wie sein Vater Karl Albert unter österreichischem Druck getan hatte.

In der populären Risorgimento-Tradition wurde diese verfassungsmäßige Konsequenz in heroische Tugend verwandelt. Das Vittoriano, Jahrzehnte nach seinem Tod erbaut, verstärkte diese Legende noch weiter — indem es den König als Vater des Vaterlandes präsentierte, nicht als den pragmatischen Politiker, der er in der Realität gewesen war.

Das Reiterstandbild

Im Mittelpunkt des Vittoriano steht das Reiterstandbild Viktor Emanuels II., 12 Meter hoch (das Pferd allein misst 10 Meter). Es wurde vom Bildhauer Enrico Chiaradia geschaffen, der jahrzehntelang an dem Projekt arbeitete; nach seinem Tod 1905 wurde es von Emilio Gallori vollendet. Das Standbild wurde am 4. Juni 1911 eingeweiht.

Die Dimensionen sind derart, dass es heißt, eine Gruppe von Arbeitern habe während der Gussarbeiten in dem Pferdekopf gegessen, bevor die letzte Schweißnaht gesetzt wurde — eine dokumentierte Episode, die die Stadtlegende vom „Essen im Pferd" nährte.

Das Standbild ist aus vergoldeter Bronze und zeigt den König in savoyischer Militäruniform, die rechte Hand in einer königlichen Geste erhoben. Der Sockel trägt allegorische Basreliefs.

Viktor Emanuel II. und Rom

Der König lebte nie wirklich als uneingeschränkter Protagonist in Rom: Die Einnahme der Stadt fand im September 1870 statt, nur wenige Jahre vor seinem Tod. Er zog am 2. Juli 1871 in Rom ein, als die Hauptstadt offiziell von Florenz dorthin verlegt wurde. Er starb in Rom am 9. Januar 1878, kaum sieben Jahre nach der vollständigen Einigung.

Er ist im Pantheon begraben — nicht im Vittoriano. Die Wahl des Pantheons war eine politische Entscheidung: Der zur Kirche umgewandelte heidnische Tempel schien der geeignetste Ort für einen König, der Rom dem Papst entrissen hatte. Das Vittoriano beherbergt stattdessen den Unbekannten Soldaten, der erst 1921 hinzugefügt wurde.

Das Paradox des Denkmals

Das Vittoriano wurde 1878, unmittelbar nach dem Tod des Königs, beschlossen. Doch Sacconis Projekt wurde erst 1884 ausgewählt, und die Arbeiten begannen 1885. Als das Gebäude 1911 eingeweiht wurde, waren 33 Jahre seit dem Tod des Königs vergangen. Inzwischen war Italien zu einer Industrienation mit tiefen sozialen Widersprüchen geworden, und das Monument wurde von vielen bereits als anachronistisch wahrgenommen.

Das Paradox besteht darin, dass Viktor Emanuel II. — ein praktischer Mann, wenig geneigt zur Rhetorik — wahrscheinlich etwas Schlichteres vorgezogen hätte. Das Vittoriano spiegelt das Italien wider, das seinen König feiern wollte, nicht den König, wie er wirklich war.

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Häufig gestellte Fragen

Warum ist Viktor Emanuel II. nicht im Vittoriano begraben? Der König ist im Pantheon begraben. Das Vittoriano war ein Gedenkdenkmal, kein Grabdenkmal. Die Krypta mit dem Unbekannten Soldaten wurde erst 1921 hinzugefügt.

Was bedeutet „Galantuomo-König"? Der Beiname bezieht sich auf seine Treue zum Statuto Albertino nach der militärischen Niederlage von 1849 — eine Entscheidung, die die spätere Entwicklung des Einigungsprozesses ermöglichte.

Ist das Standbild wirklich aus Gold? Das Standbild ist aus Bronze mit vergoldeter Oberfläche. Es ist nicht aus massivem Gold, aber seine Dimensionen und die Beschichtung machen es im vollen Sonnenlicht äußerst sichtbar.

Artikel Nr. 198 — TIER S — MON-10 Altar des Vaterlandes / Vittoriano Typ: HISTORISCH Wörter: ~640

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