Ursprünge: vom Sumpf zum städtischen Zentrum
Das Forum-Tal war ursprünglich ein sumpfiges Gebiet zwischen dem Kapitol, dem Palatin und dem Esquilin. Vor dem 6. Jahrhundert v. Chr. nutzten die latinischen Stämme, die auf den umliegenden Hügeln siedelten, es als Friedhof — Grabfunde aus dem 8.–7. Jahrhundert v. Chr. wurden unterhalb des heutigen Forum-Niveaus geborgen.
Die städtebauliche Transformation vollzog sich unter den Königen Roms, insbesondere unter Tarquinius Priscus (617–579 v. Chr.): Das Tal wurde durch den Bau der Cloaca Maxima trockengelegt, die noch heute als Abwasserkanal funktioniert. Das gewonnene Land wurde zu einem kommerziellen und politischen Raum.
In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich das Forum in Schichten: Jedes Gebäude wurde auf oder neben früheren Strukturen errichtet, jede Generation fügte Tempel, Basiliken und Monumente hinzu. Das Ergebnis ist eine der komplexesten archäologischen Stätten der Welt — wo Graben bedeutet, nicht eine einzelne Ebene zu entdecken, sondern überlagerte Sequenzen, die mehr als tausend Jahre umfassen.
Die republikanische Periode (5.–1. Jahrhundert v. Chr.)
Während der römischen Republik war das Forum der physische Ort des bürgerlichen Lebens. Hier fanden statt:
- Die Comitia (Volksversammlungen) zur Abstimmung über Gesetze und Magistrate
- Öffentliche Prozesse in den Basiliken (überdachte Gebäude für juridisch-kommerzielle Funktionen)
- Politische Reden von den Rostra (Rednertribüne, geschmückt mit den Bugbeschlägen eroberter Schiffe)
- Tägliche Märkte
- Öffentliche Begräbnisse wichtiger Bürger
Der Saturntempel (498 v. Chr., 42 v. Chr. wieder aufgebaut) beherbergte das Aerarium — den Staatsschatz Roms, in seinen Grundmauern aufbewahrt.
Der Tempel der Dioskuren (Castor und Pollux, 484 v. Chr.) wurde nach der Schlacht am Regillus-See gelobt, als die beiden göttlichen Brüder der Überlieferung zufolge an der Seite der Römer kämpften.
Die Basilica Aemilia (179 v. Chr.) war eines der größten öffentlichen Gebäude der antiken Welt — hundert Meter lang, gegliedert durch Säulenhallen und Läden. Die beim Brand von 410 n. Chr. (dem Sacco Alarichs) geschmolzenen Bronzemünzen sind noch im Pflaster sichtbar.
Die Via Sacra war die Hauptstraße des Forums, die das Kapitol mit dem Kolosseum verband. Triumphierende Feldherren zogen nach militärischen Siegen durch sie.
Die Kaiserzeit (1. Jahrhundert v. Chr.–3. Jahrhundert n. Chr.)
Mit Augustus (27 v. Chr.–14 n. Chr.) erreichte das Forum Romanum seine endgültige Form. Augustus baute mehr als 80 Tempel in der Stadt wieder auf oder restaurierte sie, viele davon im Forum. Sein Bauprogramm war gleichzeitig politisch und religiös: Es stellte visuell die Kontinuität mit der Republik her und signalisierte zugleich eine neue Ordnung.
Unter den großen kaiserlichen Bauten im Forum:
Die Curia Julia (Senatssitz, von Augustus 29 v. Chr. fertiggestellt) ist eines der am besten erhaltenen Gebäude des Forums. Ihr originaler Marmorpaviment, die Plutei Traianei (Trajanische Reliefplatten) und die Bronzetüren (Kopien der ins Lateran gebrachten Originale) sind noch sichtbar.
Der Titusbogen (81 n. Chr.) erinnert an die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. Die Innenpaneele zeigen die Tempel-Menorah im Triumphzug — die einzige erhaltene antike Darstellung dieses Gegenstands.
Der Septimius-Severus-Bogen (203 n. Chr.) feiert die Militärsiege des Septimius Severus in Mesopotamien. Er gehört zu den am besten erhaltenen Triumphbögen Roms.
Der Vestatempel (mehrfach wieder aufgebaut, heutige Form 1.–2. Jahrhundert n. Chr.) beherbergte das heilige Feuer Roms — die Flamme, die der Überlieferung zufolge niemals erlöschen durfte. Die Vestalinnen unterhielten es dreißig Jahre lang.
Die Maxentius-Basilika (von Maxentius begonnen, 312 n. Chr. von Konstantin vollendet) war der imposanteste Bau des Forums — drei Schiffe von 80 × 100 Metern, überdeckt von Kreuzgewölben in 35 Meter Höhe. Drei Arkaden des ursprünglichen nördlichen Seitenschiffs sind erhalten.
Das Kolossale: Tempel der Spätantike
Im 3.–4. Jahrhundert n. Chr. wurde das Forum von den Tetrarchen und Konstantin weiter umgestaltet. Der Romulustempl (307–311 n. Chr.) — Sohn des Maxentius — ist noch intakt, mit seinen originalen Bronzetüren. Das Bauwerk wurde in die mittelalterliche Kirche Santi Cosma e Damiano einbezogen.
Der Tempel des Antoninus Pius und der Faustina (141 n. Chr.) ist eines der visuellen Paradoxe des Forums: Der heidnische Tempel wurde im Mittelalter zur christlichen Kirche (San Lorenzo in Miranda), die Säulen in eine barocke Fassade eingebettet. Die Kerben, die mittelalterliche Römer hinterließen, als sie versuchten, die Säulen zu stürzen, um das Marmor wiederzuverwenden, sind an den Basen sichtbar.
Der Niedergang: vom 4. bis zum 15. Jahrhundert
Mit der Christianisierung des Imperiums schloss Theodosius I. 391 n. Chr. die heidnischen Tempel. Viele Forum-Gebäude wurden in Kirchen umgewandelt oder aufgegeben.
Die Plünderung durch Alarich (410 n. Chr.) und die Plünderung durch Geiserich (455 n. Chr.) beschädigten die Stadt; nicht gewartete Strukturen begannen einzustürzen. Im 6. Jahrhundert n. Chr. war das Forum als bürgerlicher Raum weitgehend aufgegeben.
Im Mittelalter wurde das Forum zum Campo Vaccino — wörtlich „Kuhfeld" — einer Weide für Vieh. Säulen und Bögen ragten aus dem Boden wie Bäume, Gebäude unter Metern angehäuften Schuttes begraben. Marmor, Bronze und Ziegel wurden systematisch für mittelalterliche Bauten abgebaut.
Die moderne Wiederentdeckung: Ausgrabungen vom 16. bis 19. Jahrhundert
Die ersten systematischen Ausgrabungen des Forums gehen auf 1803 zurück, unter Napoleon. Systematische Ausgrabungen begannen 1803 unter Commissar Carlo Fea, der einen Graben entlang der Via Sacra öffnete.
1870, nach der Einigung Italiens, begann die italienische Regierung Großausgrabungen, die sich durch das gesamte 20. Jahrhundert zogen. Die Arbeiten legten Gebäude frei, die bis zu 8–10 Meter unter dem heutigen Bodenniveau vergraben lagen.
Heute ist das Forum Romanum eine der wichtigsten aktiven Ausgrabungsstätten der Welt — jedes Jahr tauchen neue Erkenntnisse aus der Erde auf.
Was man heute sehen kann
Das heutige Forum Romanum bietet eine Abfolge von Bauwerken, die die gesamte Geschichte Roms abdecken:
- Eingang von der Via Sacra (Kolosseum-Seite): der malerischste Zugang
- Tempel des Antoninus und der Faustina → Basilica Aemilia → Curia → Rostra → Saturntempel → Phokassäule → Via Sacra zum Titusbogen
- Palatin (intern zugänglich): der Hügel der kaiserlichen Residenzen, mit Blick auf das gesamte Forum
Mit einem Privatfahrer besuchen
Das Forum Romanum befindet sich im historischen Zentrum Roms, mit Fußgängerzugang von der Via Sacra.
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Häufig gestellte Fragen
Sind Forum Romanum und Palatin im selben Ticket enthalten? Ja. Das Kombiticket umfasst Kolosseum, Forum Romanum und Palatin. Es kostet €16 (ermäßigt €2 für Einwohner) mit Online-Buchung.
Wie lange dauert der Besuch des Forum Romanum? Nur Forum: 1,5–2 Stunden. Forum + Palatin: 3–4 Stunden. Forum + Palatin + Kolosseum: ein ganzer Tag.
Gibt es überdachte Strukturen im Forum Romanum? Sehr wenige. Die Curia Julia ist von innen besuchbar; die Basilica Aemilia hat nur Fundamente. Im Sommer Hut und Wasser mitbringen.
Ist es möglich, das Forum Romanum abends zu besuchen? In bestimmten Sommerperioden werden spezielle Abendöffnungen organisiert, aber das ist nicht die Norm. Auf der Website des Parco Archeologico del Colosseo nachprüfen.
Wo befinden sich die Kaiserforen im Verhältnis zum Forum Romanum? Die Kaiserforen (des Caesar, Augustus, Nerva, Trajan, Vespasian) liegen neben dem Forum Romanum, sind aber von der Via dei Fori Imperiali zugänglich, mit einem anderen Ticket oder teils von der Straße sichtbar.
Artikel Nr. 41 — TIER S — MON-03 Forum Romanum + Palatin Typ: GESCHICHTE Wörter: ~2.400
Siehe auch
- Titusbogen: Geschichte und Bedeutung des wichtigsten Triumphbogens Roms
- Saturntempel: Geschichte des Staatsschatzes Roms und der Ursprünge der Saturnalien
- Vestatempel und Vestalinnen: Geschichte des heiligen Feuers Roms
- Das Kolosseum: vollständige Geschichte von seiner Einweihung im Jahr 80 n. Chr. bis 2025
- Der Altar des Vaterlandes: Geschichte und Bedeutung