Der Palast, der die Renaissance in Rom einläutete
Die Geschichte des Palazzo della Cancelleria (Chancellery Palace) ist die eines Gebäudes, das Roms Gesicht veränderte: Es war der erste große, voll ausgereifte Renaissance-Palast der Stadt und wurde zum Vorbild für alle, die folgten. Erbaut zwischen 1489 und 1513 für Kardinal Raffaele Riario, den Neffen von Papst Sixtus IV., markierte er die Ankunft der neuen Architektursprache in der Hauptstadt – einer Sprache aus Harmonie, Proportion und Maß. Wer seine Geschichte kennt, versteht die Entwicklung der römischen Architektur zwischen dem 15. und dem 16. Jahrhundert besser.
Kardinal Raffaele Riario
Raffaele Riario war ein mächtiger und überaus reicher Kardinal, Patron und Sammler. Er wollte einen Palast, der seinen Rang und den neuen Renaissance-Geschmack zum Ausdruck brachte. Er war es übrigens auch, der den jungen Michelangelo nach Rom einlud – eine Episode, die den Kardinal mit der großen Kunstepoche der Stadt verbindet. Später wurde der Palast Sitz der Apostolic Chancellery (Cancelleria Apostolica), woher sich sein Name ableitet.
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Die Legende vom Spielgewinn
Eine faszinierende Überlieferung erzählt, Kardinal Riario habe den Bau des Palastes (zumindest teilweise) mit einem aufsehenerregenden Spielgewinn finanziert: einer enormen Summe, die er in einer einzigen Nacht beim Kartenspiel gewann. Ob wahr oder erfunden – die Geschichte ist in den Mythos des Palastes eingegangen, der deshalb den Beinamen „der mit Würfeln erbaute Palast" trägt – eine Anekdote, die man Besuchern noch heute erzählt.
Die Architektur: Maß und Harmonie
Der Palast ist für seine schlichte und elegante Architektur berühmt:
- Die Fassade aus Travertin mit ihrem regelmäßigen Fensterrhythmus.
- Der prachtvolle, von einem Säulengang umschlossene Innenhof mit Granitsäulen (teils antike Spolien).
- Der meisterhafte Einsatz klassischer Proportionen.
- Die Einbeziehung der alten Basilica di San Lorenzo in Damaso.
Die Zuschreibung des Entwurfs ist unter Historikern umstritten, doch er bleibt ein Meisterwerk der Frührenaissance, das lange auch mit dem Namen Bramante verbunden wurde.
Von der Kardinalsresidenz zum vatikanischen Sitz
Nach einer Verschwörung wurde der Palast Riario entzogen, ging an die Camera Apostolica über und wurde Sitz der päpstlichen Cancelleria. Bis heute ist er extraterritoriales Eigentum des Holy See (Santa Sede) und beherbergt vatikanische Ämter und Gerichtshöfe: ein seltener Fall eines Gebäudes, das von der Renaissance bis heute eine institutionelle Funktion bewahrt hat.
Häufige Fragen
Wer erbaute den Palazzo della Cancelleria? Er wurde zwischen 1489 und 1513 für Kardinal Raffaele Riario, den Neffen von Papst Sixtus IV., errichtet: Es ist der erste große Renaissance-Palast Roms.
Stimmt die Legende vom Spielgewinn? Es ist eine faszinierende Überlieferung: Man erzählt, Riario habe den Palast mit einem aufsehenerregenden Kartengewinn finanziert. Ob wahr oder nicht – sie ist Teil des Mythos um das Gebäude.
Warum heißt er „della Cancelleria"? Weil er Sitz der Apostolic Chancellery wurde, nachdem man ihn Kardinal Riario entzogen und an die Camera Apostolica übertragen hatte.
Wer entwarf den Palast? Die Zuschreibung ist umstritten; der Entwurf wurde lange mit dem Namen Bramante verbunden. Er bleibt ein Meisterwerk der römischen Frührenaissance.
Was hat Michelangelo damit zu tun? Es war Kardinal Riario, der den jungen Michelangelo nach Rom einlud und damit den Palast auch mit der großen Kunstepoche der Stadt verband.
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Artikel #617 · Kategorie: Monumente · Aktualisiert: Mai 2026