Das monumentale Rom des 20. Jahrhunderts
Der EUR (Esposizione Universale di Roma, World's Fair of Rome) ist eines der ungewöhnlichsten und fotogensten Viertel der Stadt: ein in den Dreißigerjahren geplantes Areal im Stil des Rationalismus, geprägt von weißen, geometrischen und monumentalen Gebäuden, breiten Boulevards und klar geordneten Flächen. Geplant war hier die Weltausstellung von 1942 (daher das Kürzel EUR), konzipiert als große Schaubühne des Regimes. Der Krieg ließ das Ereignis platzen, und das Viertel blieb jahrelang unvollendet; nach dem Krieg wurde es schließlich fertiggestellt und in ein modernes Geschäfts- und Wohnviertel verwandelt.
Fernab vom antiken und barocken Rom zeigt der EUR ein anderes, überraschendes Gesicht der Stadt: monumental, "metaphysisch", geschätzt von Fotografen, Architekten und dem Kino. Er gehört zu den wenigen Stadtvierteln weltweit, die vollständig "am Reißbrett" nach einer einzigen architektonischen Vision entworfen wurden – ein Areal, schwebend zwischen der Monumentalität der Dreißigerjahre und der Moderne.
Die rationalistische Architektur und ihre Geschichte
Der EUR ist ein seltenes Beispiel für ein einheitlich geplantes rationalistisches Viertel: geometrische Gebäude, Symmetrien, edle Materialien und eine Monumentalität, die die Epoche ihrer Entstehung widerspiegelt. Die Architektur ist Ausdruck des italienischen Rationalismus und des sogenannten monumentalen Stils jener Epoche:
- Reine geometrische Formen: Würfel, Bögen, Quader.
- Symmetrie und Wiederholung (die Arkaden des Colosseo Quadrato).
- Edle und römische Materialien: Travertin, Marmor, Ziegel.
- Weite leere Flächen, geradlinige Boulevards und monumentale Sichtachsen.
- Bezüge auf die klassische Antike, modern neu interpretiert.
Daraus erwächst eine feierliche, beinahe "metaphysische" Atmosphäre, die an die von Giorgio de Chirico gemalten Architekturen erinnert. Für Liebhaber von Architektur und Städtebau ist der EUR ein Muss. Mehr dazu im Guide die rationalistische Architektur des EUR.
Der EUR im Film
Die einzigartige Atmosphäre des EUR hat das Autorenkino angezogen: Regisseure wie Michelangelo Antonioni (in L'eclisse, "The Eclipse") und Federico Fellini haben hier denkwürdige Szenen angesiedelt und die leeren, monumentalen Räume genutzt, um von Entfremdung und Moderne zu erzählen. Für Cineasten ist das Wiedererkennen dieser Orte Teil des Reizes eines Besuchs.
Was man im EUR sehen sollte
Das EUR erschließt sich beim Spazieren entlang breiter Boulevards und monumentaler Bauten, in einer geordneten, fast "metaphysischen" Atmosphäre. Hier die Stationen, die Sie nicht verpassen sollten.
Das Colosseo Quadrato
Das Wahrzeichen des EUR ist das Palazzo della Civiltà Italiana (Palace of Italian Civilization), genannt das "Colosseo Quadrato" (Square Colosseum): ein eindrucksvoller Quader aus weißem Travertin mit sechs Bogenreihen pro Seite, der in der Wiederholung seiner Bögen vom Kolosseum inspiriert ist. Abends beleuchtet und zu jeder Jahreszeit spektakulär, ist er heute Sitz des Modehauses Fendi und das meistfotografierte Gebäude des Viertels – eines der ikonischsten Bilder des modernen Rom. Wir widmen ihm einen eigenen Guide: das Colosseo Quadrato.
Der See und der Park
Das grüne Herz des EUR ist der künstliche See, umgeben von einem Park mit Bäumen, Spazierwegen und einem Wasserfall. Ein erholsamer Ort, von den Römern für Jogging und Entspannung geschätzt, mit schönen Ausblicken auf die monumentalen Bauten, die sich darin spiegeln. Im Frühling sind die blühenden Kirschbäume entlang der Ufer ein wahres Schauspiel.
Die Basilica dei Santi Pietro e Paolo
Auf dem höchsten Hügel des EUR erhebt sich die Basilica dei Santi Pietro e Paolo mit ihrer großen, schon von Weitem sichtbaren Kuppel. Von der breiten Freitreppe genießen Sie einen schönen Blick über das Viertel. Ein Beispiel sakraler Architektur des 20. Jahrhunderts, nüchtern und monumental zugleich.
Der Palazzo dei Congressi und der Marconi-Obelisk
Zu den weiteren markanten Bauten zählen:
- Der Palazzo dei Congressi mit seiner großen Bogenfassade und den rationalistischen Innenräumen.
- Der Marconi-Obelisk, mitten auf einem Platz, dem Erfinder des Radios gewidmet.
- Die Zwillingspaläste und die langen Boulevards, die das Viertel gliedern, sowie die Bürogebäude mit ihren gleichmäßigen Arkadengängen.
Die Nuvola von Fuksas
Neben der historischen Architektur beherbergt das EUR auch ein zeitgenössisches Meisterwerk: die "Nuvola" (the Cloud) von Massimiliano Fuksas, ein Kongresszentrum mit einer großen, schwebenden "Wolke" aus Stahl und Glas, eingeschlossen in einer gläsernen Hülle. Ein Zeichen dafür, dass das Viertel weiterhin ein Architekturlabor bleibt.
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Museen und praktische Hinweise
Das EUR beherbergt bedeutende Museen (wie das Museo delle Civiltà) neben den monumentalen Bauten. Prüfen Sie Öffnungszeiten und Ausstellungen auf den offiziellen Websites, da diese je nach Saison und Sonderausstellungen variieren können.
So planen Sie den Besuch
In 1,5 bis 2 Stunden sehen Sie das Beste. Der EUR ist zugleich ein grünes, entspanntes Viertel mit See und Parks – ideal für eine Pause abseits des überfüllten Zentrums. Eine empfohlene Reihenfolge:
- Das Colosseo Quadrato
- Den See und den Park
- Die Basilica dei Santi Pietro e Paolo (auf dem Hügel)
- Den Palazzo dei Congressi, den Marconi-Obelisk und die Nuvola
Anreise zum EUR
Das EUR liegt südlich des historischen Zentrums von Rom, entlang der Achse Richtung Ostia und Meer. Es ist ein weitläufiges, modernes Viertel mit guter U-Bahn-Anbindung, das sich auch als Zwischenstopp auf dem Weg zur Küste oder zum Flughafen Fiumicino anbietet.
Mit der Metro
Am bequemsten ist die Metro-Linie B, die das Viertel mit drei Stationen durchquert:
- EUR Magliana — am nordwestlichen Rand.
- EUR Palasport — nahe am See und am Palazzo dello Sport.
- EUR Fermi — praktisch für den zentralen und südlichen Teil.
Je nachdem, was Sie sehen möchten, wählen Sie die nächstgelegene Station; das Colosseo Quadrato liegt zwischen EUR Magliana und EUR Palasport und ist von dort mit einem kurzen Spaziergang erreichbar.
Mit dem Zug und Richtung Ostia
Das EUR liegt zudem an der Achse der Linie Metromare (ehemals Roma-Lido) Richtung Ostia: praktisch, wenn Sie den Besuch mit einem Tag am Meer oder den Ausgrabungen von Ostia Antica verbinden.
Mit dem Auto und Parken
Anders als das historische Zentrum ist das EUR mit dem Auto besser erreichbar, mit breiten Straßen und mehr Parkmöglichkeiten (auch wenn die Gegend zu Bürozeiten als Geschäftsstandort viel befahren ist). Mit einem Privatfahrer (NCC) wird der Besuch noch komfortabler: Er setzt Sie ab, wo Sie möchten, und übernimmt die Fahrten.
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Praktische Tipps
Der EUR lässt sich gut kombinieren mit:
- Einem Tag Richtung Ostia Antica oder dem Meer von Ostia (gleiche Achse). Siehe Ostia Antica: der komplette Reiseführer.
- Einem Flughafentransfer (Fiumicino) als Zwischenstopp.
- Der Basilika San Paolo fuori le Mura, auf halbem Weg ins Zentrum.
Ein Privatfahrer macht diese Art von Route besonders reibungslos. Der EUR ist ein unverzichtbarer Halt für alle, die Architektur und Städtebau des 20. Jahrhunderts lieben, ein anderes, monumentales und fotogenes Rom suchen oder von Film und metaphysischen Atmosphären begeistert sind.
Häufige Fragen
Was ist der EUR in Rom? Es ist ein Viertel Roms, das in den Dreißigerjahren im rationalistischen Stil für die Weltausstellung von 1942 (die nie stattfand) geplant wurde. Es ist berühmt für seine weißen, monumentalen Gebäude, darunter das Colosseo Quadrato.
Was bedeutet EUR? Esposizione Universale di Roma (World's Fair of Rome), das Ereignis von 1942, für das das Viertel geplant wurde. Der Name blieb erhalten und bezeichnet heute das gesamte Gebiet.
Hat die Weltausstellung von 1942 stattgefunden? Nein: Sie wurde wegen des Zweiten Weltkriegs abgesagt. Das Viertel blieb unvollendet und wurde erst nach dem Krieg fertiggestellt.
Was sollte man im EUR sehen? Das Palazzo della Civiltà Italiana (Colosseo Quadrato), den See mit dem Park, die Basilica dei Santi Pietro e Paolo, den Palazzo dei Congressi, den Marconi-Obelisk und die Nuvola von Fuksas.
Welche Metro-Station ist die richtige für das EUR? Die Linie B bedient das EUR mit drei Stationen: EUR Magliana, EUR Palasport (nahe am See) und EUR Fermi. Das Colosseo Quadrato liegt zwischen Magliana und Palasport.
Wie viel Zeit sollte man einplanen? Etwa 1,5–2 Stunden für einen Spaziergang mit den wichtigsten Stationen und dem See.
Lässt es sich mit Ostia oder dem Flughafen verbinden? Ja: Das EUR liegt an der Achse Richtung Ostia und Fiumicino und ist daher ein praktischer Zwischenstopp, besonders mit einem Privatfahrer.
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