Gregors I. Vision und der Name der Burg

Die berühmteste Legende der Burg stammt aus dem Jahr 590 n. Chr.: Während einer Prozession, die das Ende der Justinianischen Pest erflehen sollte, sah Papst Gregor I. über der Spitze von Hadrians Mausoleum einen Engel, der sein Schwert einsteckte — ein Zeichen, dass die Seuche zu Ende gehen würde. Von da an änderte die Struktur ihren Namen: nicht mehr Moles Hadriani, sondern Castel Sant'Angelo — die Burg des Heiligen Engels.

Die Vision ist mit großer Wahrscheinlichkeit legendär, aber ihre historische Wirkung war real: Das Gebäude erlangte eine sakrale Aura, die es jahrhundertelang vor systematischen Abrissen bewahrte.

Der einzige päpstliche Schatz, der den Sacco von 1527 überlebte

Beim Sacco di Roma (6. Mai 1527) plünderten die kaiserlichen Truppen Karls V. Kirchen, Paläste und den Vatikan selbst. Castel Sant'Angelo blieb der einzige unversehrte Ort: In ihm waren die wertvollsten Dokumente des Heiligen Stuhls, Schmuckstücke und ein Teil des päpstlichen Schatzes verwahrt. Als Clemens VII. im liturgischen Gewand durch den Passetto aus dem Vatikan floh, nahm er die Schlüssel zu einigen im Schloss aufbewahrten Truhen mit.

Die fünf Engel: von Hadrian bis Verschaffelt

Mindestens fünf Engel oder symbolische Figuren haben sich an der Spitze des Gebäudes abgelöst:

  1. Vergoldete Reiterstatue Hadrians (~134–537) — beim gotischen Angriff gestürzt
  2. Nicht identifizierte Figur im Mittelalter — wahrscheinlich aus Holz, nicht erhalten
  3. Marmorengel von Raffaello da Montelupo (1536–1544, heute im Engelshof) — im Auftrag Pauls III.
  4. Bronzeengel von Giacomo della Porta (1579) — 1610 vom Blitz getroffen und beschädigt
  5. Bronzeengel von Pieter Verschaffelt (1752) — der heutige, der noch immer über dem Gipfel wacht

Die Gnadenglocke

Noch heute auf der Terrasse vorhanden, eine der drei historischen Glocken der Burg: die Gnadenglocke (Campana della Pietà), die am Abend vor Hinrichtungen geläutet wurde. Der Verurteilte, der sie hörte, wusste, dass er am nächsten Tag sterben würde. Seit 1870, mit dem Ende der weltlichen Macht der Kirche, wird die Glocke nicht mehr zu diesem Zweck geläutet.

Cellinis Flucht: technische Details

Benvenuto Cellinis Flucht (1539) ist einer der von ihm selbst in seiner Autobiographie am ausführlichsten dokumentierten Vorgänge. Cellini beschrieb in kleinstem Detail:

  • Den Abstieg aus der Zelle durch ein mit einem Messer geöffnetes Fenster
  • Die verknoteten Laken, mit denen er sich ungefähr 15 Meter abseilte
  • Eine Auseinandersetzung mit einem Wächter auf dem letzten Abschnitt
  • Einen gebrochenen Knöchel bei der letzten Landung
  • Die Flucht kriechend zum Schloss eines Freundes, wo er versteckt wurde

Die Geschichte gilt in ihrer Substanz als wahr, wenngleich Historiker gegenüber den von Cellini beschriebenen akrobatischen Proportionen leichte Skepsis hegen.

Die Legende vom verborgenen Schatz

Eine beharrliche Ortslegende besagt, dass die unterirdischen Räume der Burg noch immer einen Teil des nie wiedergefundenen päpstlichen Schatzes verbergen: Münzen, Kelche und liturgische Gegenstände, die während der vielen politischen Krisen in Sicherheit gebracht wurden. Die Ausgrabungen des 20. Jahrhunderts fanden nichts Außergewöhnliches, aber die Legende stirbt nicht.

Das Engelsymbol und die Geschichte Italiens

Der Engel, der sein Schwert einsteckt, ist zu einem so mächtigen Symbol geworden, dass er in unerwarteten Zusammenhängen auftaucht:

  • Zahlreiche römische Familien mit dem Nachnamen Castel oder Angelo beanspruchen ihren Ursprung im mittelalterlichen Spitznamen des Monuments
  • Während des Ersten Weltkriegs verwendete die italienische Regierung das Bild der nachts beleuchteten Burg in der Kriegspropaganda als Symbol des „Dritten Rom"
  • Die Burgsilhouette erscheint auf unzähligen römischen Souvenirs, Wappenemblemen und offiziellen Dokumenten

Die Burg und die Musik

Jenseits von Tosca taucht die Burg in überraschenden Musikwerken auf:

  • Giacomo Carissimi, ein römischer Komponist des 17. Jahrhunderts, soll in den Loggias der Burg Privatkonzerte für Kardinäle gegeben haben
  • Hector Berlioz' Te Deum enthält eine ausdrückliche Erwähnung der Burg in den Bühnenanweisungen

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Häufig gestellte Fragen

Ist Gregors Vision historisch belegt? Sie wird in mittelalterlichen Texten erwähnt, aber nicht in Quellen, die zeitgenössisch zum Ereignis sind. Historiker betrachten sie als erbauliche Legende, nicht als verifizierbaren historischen Fakt.

Ist Cellini wirklich geflohen? Der erste Fluchtversuch (1538) ist historisch bestätigt; er wurde wiedergefangen und blieb bis 1539 im Gefängnis. Die erfolgreiche Flucht ist in seiner Autobiographie dokumentiert.

Ist die Schatzlegende wahr? Es gibt keinen Dokumentarbeleg für einen systematisch versteckten Schatz. Schatzlegenden in mittelalterlichen Burgen sind ein weit verbreiteter literarischer Topos.

Artikel Nr. 119 — TIER S — MON-06 Castel Sant'Angelo Typ: HISTORISCH/PRAKTISCH Wörter: ~800

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