Die Münzlegende: Was die Tradition tatsächlich sagt

Das Ritual, eine Münze in den Trevi-Brunnen zu werfen, ist weltweit bekannt, wird aber oft ungenau zitiert. Die Tradition spezifiziert:

  • Eine Münze: garantiert die Rückkehr nach Rom
  • Zwei Münzen: Verlieben in einen Römer oder eine Römerin
  • Drei Münzen: bevorstehende Heirat

Die korrekte Geste ist: Mit der rechten Hand werfen, mit dem Rücken zum Brunnen stehend, so dass die Münze über die linke Schulter in Richtung Brunnen fliegt. Mit der linken Hand oder von vorne zu werfen ist nicht die traditionelle Geste.

Wie viel wird jedes Jahr gesammelt

Etwa 3.000 Münzen pro Tag landen im Trevi-Becken. In einem Jahr häufen sich rund 1,5 Millionen Euro in Münzen verschiedener Währungen an — Euro, Dollar, Pfund, Yuan und vieles mehr. Seit 2007 wird die Sammlung von der Caritas Rom verwaltet, die das Geld für Programme zur Unterstützung der Stadtarmen verwendet. Die Sammlung findet nachts periodisch statt.

Anita Ekberg und die Wassertemperatur

Die berühmte Szene aus La Dolce Vita (Federico Fellini, 1960), in der Anita Ekberg in den Brunnen steigt, wurde im Dezember 1958 und Januar 1959 gedreht. Nachtdrehs waren notwendig, um den Platz von Passanten zu isolieren.

Wenig bekanntes Detail: Das Wasser war eiskalt — die Acqua Vergine hält eine konstante Temperatur von etwa 12–14°C selbst im Sommer. Anita Ekberg verbrachte über mehrere Drehnächte mehrere Stunden im Wasser. Der Regisseur ließ das Wasser mit Geräten leicht erwärmen, aber die Situation blieb unkomfortabel.

Fünfzig Jahre später, 2009, kehrte Ekberg zum 50. Jahrestag des Films an den Brunnen zurück. Sie sagte, sie sei 78 Jahre alt und fühle sich nicht in der Lage, wieder ins Wasser zu steigen. Aber sie fügte hinzu, dass die Erinnerung an diese Nacht ihr für immer eingebrannt sei.

Nicola Salvi und das Barbier-Fenster

Als Nicola Salvi den Brunnen 1732 entwarf, eröffnete ein Barbier namens Agrippa (Koinzidenz mit dem Namen des Aquäduktbauers) einen Laden neben der Baustelle und begann, das Projekt öffentlich vor seinen Kunden zu kritisieren. Salvi beschloss, architektonisch zu antworten: Er ließ direkt vor dem Fenster des Barbiersladens eine große dekorative Barriere (eine Vase, eine Urne) errichten, die es teilweise verdeckte. Das Gebilde ist noch heute auf der linken Seite des Brunnens sichtbar und wird umgangssprachlich als „Asso di Coppe" bezeichnet (ein informeller römischer Spitzname).

Der Brunnen wurde nicht nur von Salvi entworfen

Nicola Salvi gewann den Wettbewerb von 1730, den Clemens XII. ausgeschrieben hatte, starb aber 1751, ohne den Brunnen fertiggestellt zu sehen. Die Arbeit wurde von Giuseppe Pannini beendet, der den oberen Teil und einige Dekorationen vollendete. Der Brunnen wurde am 22. Mai 1762 von Clemens XIII. eingeweiht.

Es gibt auch eine weniger bekannte Version: Gian Lorenzo Bernini hatte bereits 1640 einen Entwurf für den Brunnen ausgearbeitet, im Auftrag Urbans VIII., aber das Projekt wurde nie realisiert, da der Papst starb. Salvi ließ sich teilweise von Berninis Zeichnungen inspirieren.

Das Becken hat „Niederdruck"-Wasser

Entgegen seinem imposanten Erscheinungsbild kommt das Wasser im Trevi-Brunnen mit relativ niedrigem Druck an. Die Aqua Virgo fließt fast eben von der Quelle (etwa 14 km östlich von Rom) ohne große Höhenunterschiede — das begrenzt den verfügbaren Druck. Die Wassersäulen, die man sieht, sind nicht das Ergebnis hohen Drucks, sondern der Form der Auslässe, die Salvi entwarf, um den szenischen Effekt mit dem verfügbaren Wasser zu maximieren.

Die Farbe des Wassers

Das Wasser im Becken erscheint in einem charakteristischen Blau-Grün. Dieser Effekt ist nicht auf Farbstoffe zurückzuführen: Er ergibt sich aus der Kombination der Klarheit des Wassers (Acqua Vergine ist besonders rein), der begrenzten Tiefe des Beckens (maximal etwa 80 cm) und dem weißen Travertin des Bodens, der das Licht auf besondere Weise reflektiert.

Der Brunnen während der Fendi-Restaurierung (2015–2016)

Bei der von Fendi finanzierten Restaurierung (2,18 Millionen Euro) wurde das Becken erstmals seit Jahrzehnten vollständig geleert. Als das Wasser sank, zeigte sich der Beckenboden: Millionen geschichteter Münzen, Sediment, Algen und — unerwartet — im Laufe der Jahre von Besuchern hinterlassene Gegenstände: Brillen, Geldbörsen, Mobiltelefone, Schuhe, Schmuck.

Die Restaurierung beseitigte auch den auf den Skulpturen angesammelten Kalkbelag und stellte die ursprüngliche Leuchtkraft des weißen Marmors wieder her. Das Vorher und Nachher war auf den Baustellen-Fotos beeindruckend sichtbar.

Die Zentralfigur ist nicht Neptun

Eine der häufigsten Verwechslungen: Die Zentralstatue des Brunnens stellt Oceanus dar (umgangssprachlich Neptun genannt), aber laut der präziseren Interpretation der Kunsthistoriker handelt es sich um eine allegorische Figur des Ozeans, nicht um den griechischen Gott Poseidon/römischen Neptun. Die Identifizierung als Oceanus ist kohärent mit dem Gesamtprogramm der Ikonographie des Brunnens, das die Herrschaft des Wassers in ihrem universellsten Sinne feiert.

Der Name Trevi

Der Brunnen trägt den Namen des Viertels, des Rione Trevi, der sich wiederum vom lateinischen trivium ableitet — der Punkt, an dem sich drei Straßen treffen. Die Position des Brunnens fällt mit dem alten römischen Kreuzungspunkt zusammen, von dem aus drei Straßen in den Ager Romanus führten.

Den Trevi-Brunnen besuchen

Der Brunnen liegt in einer ZTL-Zone.

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Häufig gestellte Fragen

Wie viele Münzen werden jedes Jahr am Trevi-Brunnen gesammelt? Etwa 1,5 Millionen Euro pro Jahr. Seit 2007 gehen die Einnahmen an die Caritas Rom.

Hat Anita Ekberg wirklich das Wasser betreten? Ja. Die Szene wurde im Dezember 1958/Januar 1959 gedreht. Das Wasser war kalt (12–14°C) und der Dreh dauerte mehrere Nächte.

Wer hat den Brunnen nach Salvis Tod fertiggestellt? Giuseppe Pannini, der die Arbeit 1762 abschloss. Der Brunnen wurde am 22. Mai 1762 von Clemens XIII. eingeweiht.

Artikel Nr. 99 — TIER S — MON-05 Trevi-Brunnen Typ: HISTORISCH/PRAKTISCH Wörter: ~1.000

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