„Die Schreibmaschine" und „Die Hochzeitstorte"
Die Römer hatten stets ein gespanntes Verhältnis zum Vittoriano. Zwei Spitznamen haben sich bis heute gehalten:
„Die Schreibmaschine" (la macchina da scrivere): wegen der Fassadenform, bei der die Säulenreihe an Tastaturtasten erinnert, und dem kastenförmigen weißen Profil, das an eine Olivetti der 1940er Jahre gemahnt.
„Die Hochzeitstorte" (la torta nuziale): wegen der blendenden Weiße des Botticino-Marmors, der geschossartigen Struktur und des allgemeinen dekorativen Überschwangs — zu viel Zuckerguss, sagten die Kritiker bei der Einweihung 1911.
Beide Spitznamen spiegeln ein echtes Misstrauen wider: Das Vittoriano war zu groß, zu weiß, zu neu für eine Stadt, die bereits in Geschichte ertrank.
Der Mann im Pferd
Während der Herstellung der Reiterstatue von Viktor Emanuel II. (vollendet 1911 nach über zwanzig Jahren Arbeit) war der monumentale Pferdekopf so groß, dass eine Gruppe von Arbeitern darin ein Bankett abhalten konnte, bevor der endgültige Guss erfolgte. Die dokumentierte Geschichte wurde zur Legende: Laut den fantasievollsten Versionen soll ein Arbeiter tagelang im Inneren gefangen gewesen sein und dort zeitweilig gehaust haben. Die belegbare Version ist prosaischer: Es handelte sich um ein Abendessen unter Arbeitern in einem technischen Hohlraum, nicht um einen längeren Aufenthalt.
Die Reiterstatue ist 12 Meter lang. Ein ganzer Tisch voller Menschen passte tatsächlich in den Pferdekopf.
Der Abriss des mittelalterlichen Viertels
Für den Bau des Vittoriano musste ein ganzer Teil des Kapitolhügels abgerissen werden: mittelalterliche und Renaissance-Gebäude, Häuser, kleine Kirchen. Der Abriss, durchgeführt zwischen 1880 und den frühen 1900er Jahren, war bereits damals umstritten. Zu den am meisten beklagten Verlusten gehörten der Torre di Paolo III und mehrere Gebäude, die die Kontinuität des römischen Stadtgefüges dokumentierten.
Der Marmor, der spaltet
Die Wahl des Botticino-Marmors (aus Brescia) statt des römischen Travertins war eine bedeutungsgeladene Entscheidung. Travertin ist Roms Material — das Kolosseum, die Caracalla-Thermen. Der Botticino, weiß und fremd (lombardisch), war der Marmor des neuen Staates, bewusst in symbolischem Gegensatz zum päpstlichen Rom gewählt.
Mit der Zeit hat sich der Botticino zu einem gelblichen Elfenbeinton verdunkelt — weniger aggressiv, weniger „neu". Paradoxerweise hat das Altern das Vittoriano in den Augen der Römer ästhetisch akzeptabler gemacht.
Das Mausoleum und der Widerstand
Das Vittoriano wurde nicht als Mausoleum geboren. Die Krypta des Unbekannten Soldaten wurde erst 1921 hinzugefügt, vierzig Jahre nach Baubeginn. Das Denkmal war ursprünglich eine schlichte Verherrlichung des Königs und der nationalen Einheit — ohne die Dimension des militärischen Opfers. Erst der Erste Weltkrieg veränderte seine Bedeutung.
Die Geflügelten Bronzelöwen auf den Rampen
Entlang der zwei Rampen, die zur Haupttreppe hinaufführen, stehen elf große geflügelte Bronzelöwen — einer für jede Region Italiens plus die Inseln. Nur wenige Touristen bemerken sie. Sie gehören zu den größten Bronzeskulpturen des Komplexes, überschattet von den Quadrigen oben.
Die Statue, die nie rechtzeitig fertig wurde
Die Reiterstatue wurde 1911 zusammen mit dem Denkmal eingeweiht, aber Sacconi — ihr Schöpfer — war 1905 gestorben, sechs Jahre vor der Teileinweihung und vierundzwanzig Jahre nach dem Wettbewerbsgewinn. Er hat sein vollendetes Projekt nie gesehen.
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Häufig gestellte Fragen
Warum mögen die Römer das Vittoriano nicht? Die historische Feindseligkeit hängt mit dem Abriss des mittelalterlichen Stadtgefüges, den übermäßigen Ausmaßen im Verhältnis zur Umgebung, dem „fremden" Marmor und einer nationalistischen Rhetorik zusammen, der die Römer misstrauen. Heute ist die Einstellung ambivalenter: Man kritisiert es, nutzt es aber auch — und die Terrassenaussicht wird als die schönste der Stadt anerkannt.
Ist das Vittoriano das größte Denkmal Roms? Es ist das größte der Neuzeit im historischen Zentrum. Es überragt die Petersdomkuppel nicht an Höhe (136 m), übertrifft sie aber an Breite (135 m Fassade vs. etwa 115 m Basilikafront). Im Volumen ist es das imposanteste Bauwerk der modernen Stadt.
Artikel Nr. 190 — TIER S — MON-10 Altar des Vaterlandes / Vittoriano Typ: HISTORISCH Wörter: ~650
Siehe auch
- Vollständiger Leitfaden zum Altar des Vaterlandes / Vittoriano
- Das Vittoriano in der Zeitgeschichte
- Das Vittoriano fotografieren: Blickwinkel, Licht und Tipps
- Forum Romanum: vollständige Geschichte des Zentrums der antiken Welt
- Das Kolosseum: vollständige Geschichte von seiner Einweihung im Jahr 80 n. Chr. bis 2025