Auf einen Blick
| Bezeichnung | Passetto di Borgo (oder Corridore di Borgo) |
|---|---|
| Länge | ca. 800 m |
| Bau | 1277, Papst Nikolaus III. |
| Höhe | 15–20 m über dem Straßenniveau |
| Berühmteste Flucht | Clemens VII., 6. Mai 1527 |
| Besuch | Sonderöffnungen (Kalender prüfen) |
Was ist das Passetto di Borgo?
Das Passetto di Borgo — auch Corridore di Borgo genannt — ist ein erhöhter Wehrgang von etwa 800 Metern Länge, der die Vatikanpaläste direkt mit der Engelsburg verband. Er verläuft in der Höhe entlang der Leoninischen Mauer, jener Mauer, die Leo IV. im Jahr 846 zum Schutz des päpstlichen Borgos vor Sarazeneneinfällen erbauen ließ.
Trotz des Beinamens „geheim", den der Korridor in der Populärkultur häufig trägt, handelt es sich nicht um eine unterirdische Anlage. Es ist ein begehbarer Wehrgang in der Höhe, der durch eine Zinnenbrüstung mit Schießscharten für Bogenschützen geschützt wird und die Mauern auf ihrer gesamten Länge von Tor zu Tor begleitet. Von unten, im Borgo-Viertel, ist er noch immer als erhöhtes Mauerwerk erkennbar, das parallel zur Via della Conciliazione verläuft.
Der Bau: Nikolaus III. (1277)
Die Initiative, den Vatikan mit der Tiberfortress zu verbinden, geht auf Papst Nikolaus III. zurück, der im Jahr 1277 die erste Version des Korridors bauen ließ. Die Beweggründe waren eindeutig defensiv: In einer Zeit heftiger Kämpfe zwischen römischen Adelsfamilien und dauerhafter politischer Instabilität brauchte der Papst einen gesicherten Fluchtweg zur stärksten Militäranlage der Stadt.
Im Laufe der folgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte wurde der Korridor verstärkt, erweitert und mit zusätzlichen Verteidigungsanlagen ausgestattet. Mehrere Türme unterbrachen ihn in regelmäßigen Abständen und ermöglichten es, den Durchgang im Angriffsfall zu unterteilen. Die Breite — etwa 7 Meter — erlaubte den Durchzug einer kleinen Gruppe mit bewaffneten Wachen.
Päpstliche Fluchten
Das Passetto wurde in Notlagen von mehreren Päpsten durchquert:
Alexander VI. (1494) — Als Karl VIII. von Frankreich auf Rom vorrückte, floh der Papst durch den Korridor in die Engelsburg. Die Bedrohung wurde diplomatisch gelöst, doch der Vorfall bestätigte den strategischen Wert des Durchgangs.
Julius II. (1511) — Nutzte das Passetto während der Unruhen im Zusammenhang mit der Krise des Konzils von Pisa.
Clemens VII. (6. Mai 1527) — Die berühmteste und dramatischste Flucht. In den frühen Morgenstunden des 6. Mai brachen die Truppen Karls V. — deutsche und spanische Landsknechte — in die Stadt ein. Es war der Sacco di Roma.
Der Sacco di Roma von 1527
Der 6. Mai 1527 ist eines der schwärzesten Daten der römischen Geschichte. Die kaiserlichen Truppen Karls V., zum großen Teil aus lutherischen Landsknechten bestehend, die seit Monaten keinen Sold erhalten hatten, überfielen Rom in einer der systematischsten Gewaltwellen, die die Stadt je erlitten hatte.
Beim ersten Alarm ergriff der Kämmerer den Papst beim Mantel und schob ihn buchstäblich zum Passetto. Clemens VII. durchlief den Korridor in aller Eile, noch in seinen Zeremoniengewändern, während die Schweizergarde an den Toren von St. Peter kämpfte und starb, um Zeit zu gewinnen. Von den 189 Soldaten der Schweizergarde an jenem Tag fielen 147 — ein Opfer, das noch heute am 6. Mai durch die Vereidigung der neuen Rekruten gedacht wird.
Der Papst blieb fast sechs Monate lang in der Engelsburg belagert. Von der Terrasse aus konnte er zusehen, wie die Flammen die Viertel Roms verzehrten, während feindliche Truppen den Vatikan besetzten. Er verließ die Burg erst, nachdem er eine demütigende Kapitulation unterzeichnet und ein Lösegeld von 400.000 Dukaten bezahlt hatte.
Architektur und Struktur
Das Passetto ist auf oder neben der Leoninischen Mauer errichtet. Der Durchgang umfasst:
- Wehrgang: etwa 7 m breit, zu Fuß oder zu Pferd mit einer kleinen Abteilung begehbar
- Zinnen und Schießscharten: Schutz für Bogenschützen auf dem gesamten Umfang
- Kontrolltürme: in regelmäßigen Abständen aufgestellt, um den Korridor im Angriffsfall zu unterteilen
- Gesicherte Tore: Zugänge, die im Notfall schnell versiegelt werden konnten
- Reliefs und päpstliche Wappen: an mehreren Abschnitten sichtbar, als Zeugnis späterer Restaurierungsarbeiten
Die Anlage erreicht stellenweise eine Höhe von 15–20 Metern über dem Straßenniveau des Borgo und ist ohne Spezialausrüstung nicht zu erklimmen.
Das Passetto heute: Besuchsmöglichkeiten
Das Passetto di Borgo ist nicht dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich: Es gehört zum Komplex des Nationalen Museums der Engelsburg, ist aber in der Regel nur bei Sonderöffnungen, Kulturveranstaltungen und regelmäßig vom Betreiber organisierten Führungen zugänglich.
Um an einer Passetto-Besichtigung teilzunehmen:
- Den Veranstaltungskalender auf coopculture.it (offizieller Betreiber) prüfen
- Bei einigen Ausgaben der Tag des offenen Denkmals (September) ist der Zugang erleichtert
- Manche Kulturreiseagenturen bieten private Führungen mit Voranmeldung an
Auch ohne den Wehrgang zu betreten, ist das Passetto von außen gut sichtbar: Von der Via della Conciliazione und den Straßen des Borgo Pio aus lässt sich die erhöhte Struktur in ihrer Gesamtheit erkennen, mit deutlich sichtbaren Zinnen und Wachtürmen.
Besuch mit Privatfahrer
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Häufig gestellte Fragen
Kann man das Passetto von innen besichtigen? Nur bei Sonderöffnungen oder organisierten Führungen. Den Kalender auf coopculture.it prüfen.
Ist es von außen sichtbar? Ja, die erhöhte Struktur ist von der Via della Conciliazione und den Straßen des Borgo gut sichtbar.
Wie lang ist das Passetto? Etwa 800 Meter, von der Porta San Pellegrino im Vatikan bis zu den Türmen der Engelsburg.
Artikel Nr. 108 — TIER S — MON-06 Castel Sant'Angelo Typ: HISTORISCH Wörter: ~950