Das Werk
Die Venus Victrix (oder Pauline als Venus Victrix) wurde von Antonio Canova zwischen 1805 und 1808 für Camillo Borghese, den Ehemann von Pauline Bonaparte, Napoleons Schwester, gemeißelt. Pauline ist als liegende Venus auf einem Triclinium dargestellt, der Oberkörper nackt, den goldenen Apfel in der linken Hand — das Attribut, mit dem Venus das Urteil des Paris gewann.
Das Werk befindet sich in Saal I im Erdgeschoss der Galleria Borghese.
Der Auftraggeber und der Kontext
Camillo Borghese gab das Porträt kurz nach seiner Hochzeit mit Pauline (1803) in Auftrag. Die Absicht war eine Huldigung: Pauline war die Schwester des Kaisers, die schönste der Bonapartes, bekannt für ihre unkonventionelle Persönlichkeit.
Canova stand auf dem Höhepunkt seines Ruhms: schon in ganz Europa gefeiert für das Grabdenkmal für Clemens XIV. und seine Amoretti. Pauline willigte ein zu posieren — teilweise nackt — mit einer für die damalige Zeit skandalösen Unbefangenheit.
Die Technik
Der Marmor ist nicht weiß, sondern elfenbeinweiß. Die Oberfläche ist nicht nach der traditionellen Methode poliert: Canova trug ein Gemisch aus Wachs und organischen Farbstoffen auf, um eine Patina zu erzielen, die die Transluzenz der Haut imitiert. Die Technik war geheim und wurde nie vollständig entschlüsselt.
Das Triclinium hat vier Metallbeine auf einem Getriebemechanismus, der der Skulptur erlaubte, sich um sich selbst zu drehen — ursprünglich war das Stück so konzipiert, dass es von einer drehenden Kerze beleuchtet wurde, während es sich langsam drehte. Dieser Mechanismus ist heute aus Konservierungsgründen deaktiviert.
Der Skandal und der Verkauf
Als die Skulptur fertiggestellt war, war Camillo Borghese so eifersüchtig auf sie, dass er sie jahrelang kaum jemandem zeigte. Unterdessen verschlechterte sich die Ehe mit Pauline: Die beiden lebten seit 1804 getrennt, und Pauline hatte sich dauerhaft in Paris bei ihrem kaiserlichen Bruder niedergelassen.
1807 verkaufte Camillo 344 Skulpturen der Borghese-Sammlung an Napoleon (heute im Louvre). Die Venus Victrix war nicht Teil des Verkaufs — Camillo behielt sie. Der wahrscheinliche Grund ist die Unersetzlichkeit des Sujets: Es war ein Familienporträt, nicht austauschbar.
Marmor als Haut
Das technische Meisterwerk des Werkes ist die Wiedergabe des Fleisches. Canova hatte gelernt, Oberflächen zu differenzieren: Der Marmor, der lebendige Haut imitiert, erhält eine andere Behandlung als jener, der Stoff oder Holz imitiert. In der Venus Victrix ist der Unterschied zwischen der Weichheit des Oberkörpers und der Härte des Tricliniums selbst aus der Distanz spürbar.
Der Überlieferung nach bat Pauline darum, einen Gipsabguss für sich zu behalten. Canova lehnte ab: Ein Abguss hätte die Technik enthüllt.
Wie man sie betrachtet
Die Skulptur sollte von mindestens vier Blickwinkeln aus gesehen werden:
- Von vorne: die königliche Haltung, der goldene Apfel, das Triclinium.
- Von links im Profil: das Relief der Büste, die Körperkurve auf dem Kissen.
- Von rechts im Profil: die linke Hand, die entspannte Beinposition.
- Von hinten schräg: das Haarknoten, der Rücken mit den Drapierungen.
Das Beleuchtungssystem in Saal I ist eigens darauf ausgelegt: Das Oberlicht modelliert den Marmor, so wie es die Kerze des ursprünglichen Mechanismus getan hätte.
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Häufig gestellte Fragen
Verwendete Canova Pauline als Modell? Das ist ungewiss: Canova war dafür bekannt, nie direkt nach einem Modell zu arbeiten, sondern nach Skizzen und Maßen. Pauline posierte wahrscheinlich für Messungssitzungen, nicht für Bildhauerarbeit.
Warum hält Pauline den goldenen Apfel? Der goldene Apfel ist das Attribut der im Urteil des Paris siegreichen Venus. Pauline mit diesem Symbol darzustellen war eine Erklärung absoluter Schönheit — und eine gewisse Respektlosigkeit gegenüber konventionellen moralischen Werten.
Wo genau befindet sie sich in der Galerie? Saal I, Erdgeschoss, am Beginn des Hauptrundgangs.
Artikel Nr. 167 — TIER S — MON-09 Galleria Borghese Typ: HISTORISCH Wörter: ~700