Ein Platz, der auf einer Arena gebaut wurde
Wer über die Piazza Navona schlendert, ahnt kaum, dass er über einer der größten Sportanlagen der Antike steht. Und doch ist die Form des Platzes — lang, schmal, mit abgerundeten Enden — nichts anderes als das Profil der Arena, die ihr um fast zweitausend Jahre vorausgeht.
Das Stadion des Domitian wurde vom Kaiser Domitian um 86 n. Chr. erbaut, um die ludi graeci zu beherbergen — griechische Wettkämpfe: Fußrennen, Ringen, Diskuswerfen. Es konnte etwa 30.000 Zuschauer fassen.
Warum in Rom ein griechisches Stadion gebaut wurde
Bis zu Domitian bevorzugten die Römer Zirkus- und Gladiatorenspiele. Das griechische Stadion war eine kulturelle Entlehnung: Domitian war von der hellenischen Kultur fasziniert und wollte Rom mit einer Arena ausstatten, die panhellenischer Wettkämpfe würdig wäre.
Er etablierte die Ludi Agonales — alle vier Jahre gefeiert — und ließ das Stadion für diese Veranstaltungen bauen. Die Struktur war im Wesentlichen einem modernen Olympiastadion vergleichbar, aber aus Tuff- und Travertinmauerwerk errichtet.
Die ursprünglichen Abmessungen
Das Stadion maß ungefähr 265 Meter in der Länge und 106 Meter in der Breite. Es war auf allen Seiten von durchgehenden Tribünen umgeben, einschließlich der beiden abgerundeten Enden (die sphendone). Die Fundamente und der Umfang der Tribünen sind noch intakt unter dem heutigen Bodenniveau des Platzes erhalten.
Der mittelalterliche Name des Platzes — Circus Agonis — leitet sich direkt von seiner ursprünglichen Funktion ab.
Was heute sichtbar ist
Ein Teil der römischen Strukturen ist durch einen Besuch im Museum des Domitiansstadions zugänglich (Eingang von der Via di Tor Sanguigna, gegenüber der Hausnummer 3). Der geführte Rundgang führt durch:
- Die Bögen und Stützkorridore der römischen Tribünen
- Die originalen Travertinpfeiler
- Die Fundamente mittelalterlicher Gebäude, die über den römischen Strukturen errichtet wurden
- Skulpturenfunde und Inschriften aus dem Stadion
Das Ticket kostet etwa 5 €. Der Besuch dauert 30–45 Minuten.
Die mittelalterliche Verwandlung
Nach dem Fall des Römischen Reiches hörte das Stadion auf, als Sportarena zu dienen. Ab dem 4.–5. Jahrhundert wurden die Tribünen schrittweise von Wohnhäusern belegt: Die Bevölkerung siedelte sich buchstäblich in den Stützbögen an. Im 9.–10. Jahrhundert war das Gebiet bereits ein dicht bebautes Viertel.
Mittelalterliche und Renaissance-Bauten nutzten die römischen Fundamente und gestalteten die gesamte Topographie der Gegend. Die Paläste, die noch heute die Piazza Navona umgeben — Palazzo Pamphilj, Palazzo Braschi, die Häuser an den Seiten — folgen dem Umfang der antiken Tribünen.
Der Name „Navona"
Die Etymologie des Namens ist umstritten. Die am weitesten verbreitete Erklärung ist eine Ableitung von „in agone" — der Tätigkeit, für die das Stadion gebaut wurde — über die mittelalterlichen Varianten „n'agone" → „nagone" → „navone" → „navona". Ein weiterer mittelalterlicher Name für den Platz war Circus Agonalis oder einfach Agona.
Der überflutete Sonntag
Ein merkwürdiger Sommerbrauch überlebte bis ins 19. Jahrhundert: An August-Sonntagen wurden die Brunnen voll aufgedreht und die Abflüsse verstopft, wodurch der Platz in einen künstlichen See von wenigen Zentimetern Tiefe verwandelt wurde. Römische Adlige paradierten in Kutschen durch das Wasser; das einfache Volk kühlte sich ab. Diese Praxis ist in den Memoiren vieler Grand-Tour-Reisender beschrieben, darunter Charles Dickens.
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Häufig gestellte Fragen
Ist es möglich, die römischen Strukturen unter dem Platz zu besichtigen? Ja, über das Museum des Domitiansstadions, mit Eingang von der Via di Tor Sanguigna. Ticket ca. 5 €; Führungen verfügbar.
Wie tief liegen die römischen Überreste unter dem Platz? Die römischen Strukturen befinden sich etwa 5–8 Meter unter dem heutigen Straßenniveau. Der Anstieg des Bodens ist auf Jahrhunderte von Ablagerungen, Schutt und aufeinanderfolgenden Neubauten zurückzuführen.
War die ursprüngliche Arena offen oder überdacht? Offen, wie fast alle Sportanlagen der klassischen Antike. Die Wettkämpfe fanden im Freien statt.
Artikel Nr. 143 — TIER S — MON-08 Piazza Navona Typ: HISTORISCH Wörter: ~700