Gegründet 1506
Am 22. Januar 1506 empfing Papst Julius II. das erste Kontingent von 150 Schweizer Soldaten im Vatikan und gab damit der Päpstlichen Schweizergarde das Leben — heute das älteste Militärkorps, das weltweit noch im aktiven Dienst steht.
Die Wahl der Schweizer war kein Zufall. Im 15. und 16. Jahrhundert galten Schweizer Söldner als die besten Soldaten Europas: diszipliniert, loyal, tapfer. Die Schweiz war neutral und hegte keine territorialen Ambitionen gegenüber dem Kirchenstaat. Sie waren eine ideale Schutztruppe.
Der Sacco di Roma und der Heldenmut von 1527
Der Gründungsmoment der Identität der Garde ist der 6. Mai 1527: der Tag des Sacco di Roma, als die Landsknechte Karls V. die Stadt überfielen. Während Papst Klemens VII. durch den Passetto di Borgo zur Engelsburg floh, blieben 147 Schweizergardisten zurück, um den Zugang zur Basilika zu verteidigen. Sie fielen im Kampf. Nur 42 überlebten und schafften es, den Pontifex in Sicherheit zu geleiten.
Dieses Opfer wurde zum moralischen Fundament des Korps. Der 6. Mai ist noch heute das Datum, an dem neue Rekruten den feierlichen Eid auf die Garde ablegen — im Gedenken an die Gefallenen von 1527.
Wer Schweizergardist werden kann
Die Aufnahmebedingungen sind präzise:
| Bedingung | Detail |
|---|---|
| Staatsangehörigkeit | Schweizerisch |
| Religion | Praktizierender Katholik |
| Familienstand | Unverheiratet bei der Einstellung |
| Alter | 19–30 Jahre |
| Größe | Mindestens 174 cm |
| Bildung | Abitur oder gleichwertiger Abschluss |
| Militärdienst | Abgeleistet in der Schweizer Armee |
Die Mindestdienstzeit beträgt zwei Jahre, verlängerbar. Der Rang eines höheren Offiziers erfordert verheiratet zu sein. Das Korps zählt derzeit etwa 135 Mann.
Die Uniform: ein tragbares Kunstwerk
Die Uniform der Garde — mit vertikalen Streifen in Blau, Rot und Gelb mit weißem Kragen — ist ein weltweit erkanntes visuelles Wahrzeichen. Die Volkslegende schreibt sie Michelangelo zu, doch keine historische Dokumentation belegt dies. Das aktuelle Design wurde vom Kommandanten Jules Repond im Jahr 1914 ausgearbeitet, angelehnt an Renaissanceuniformen des ausgehenden 15. Jahrhunderts.
Die Gardisten tragen die Hellebarde als Zeremonialwaffe; in operativen Situationen verfügen sie über moderne, nicht sichtbare Schusswaffen. Die einfache dunkelblau Uniform wird für den täglichen Dienst getragen; die bunt gestreifte Uniform ist Zeremonien vorbehalten.
Wahre Funktion vs. Zeremoniell
Die Schweizergarde ist ein echtes Militärkorps, nicht nur eine Zeremonientruppe. Ihre Aufgaben umfassen:
- Schutz des Papstes — stets präsent bei öffentlichen Begegnungen und Reisen
- Zugangskontrolle an den Toren des Vatikans
- Sicherheit des Apostolischen Palastes und der gesperrten Bereiche
- Zeremonielle Aufgaben bei päpstlichen Messen, Audienzen und Staatszeremonien
Die Kaserne und der Alltag
Die Gardisten leben in der Kaserne der Schweizergarde innerhalb der Vatikanstadt. Die offizielle Sprache des Korps ist Deutsch; alle Soldaten sprechen Deutsch, oft auch Französisch und Italienisch. Viele setzen ihre Studien während des Dienstes fort, in Absprache mit der vatikanischen Verwaltung.
Der Eid
Der Eid wird am 6. Mai im Hof von San Damaso vor den vatikanischen Behörden und den Familien der Rekruten abgelegt. Jeder Gardist schwört mit erhobener rechter Hand mit drei Fingern (zu Ehren der Dreifaltigkeit):
„Ich schwöre, dem Heiligen Vater [...] treu, redlich und ehrenhaft zu dienen und, wenn es nötig sein sollte, sogar mein Leben für seine Verteidigung zu opfern."
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Häufig gestellte Fragen
Ist die Uniform wirklich Michelangelos Werk? Nein. Das ist eine Volkslegende. Das heutige Uniformdesign wurde 1914 vom Kommandanten Jules Repond entworfen, inspiriert von Renaissanceuniformen. Es gibt kein historisches Dokument, das den Entwurf Michelangelo zuschreibt.
Tragen die Schweizergardisten echte Waffen? Ja. Die Hellebarde ist eine Zeremonialwaffe, aber Gardisten im operativen Dienst sind mit Pistolen und anderen modernen Waffen bewaffnet, die unter der Uniform nicht sichtbar sind oder griffbereit gehalten werden.
Warum sind es ausgerechnet die Schweizer, die den Papst bewachen? Aus historischen Gründen: Im 16. Jahrhundert waren sie die besten Söldner Europas, loyal und im Kampf erprobt. Der Sacco di Roma von 1527 hat ihre heroische Identität dauerhaft besiegelt. Die Tradition hat über 500 Jahre überlebt.
Artikel Nr. 138 — TIER S — MON-07 San Pietro Typ: HISTORISCH Wörter: ~800