Der meistbesuchte Ort der Christenheit

Der Petersdom ist nicht einfach eine Kirche: er ist das physische Symbol der päpstlichen Institution und, im weiteren Sinne, des römischen Katholizismus in der Welt. Seit dem 4. Jahrhundert hat jedes bedeutende Ereignis der westlich-christlichen Geschichte hier seinen Widerhall gefunden oder sich direkt zwischen diesen Mauern abgespielt.

Weihnachten 800: die Geburt des karolingischen Europas

Am 25. Dezember des Jahres 800 krönte Papst Leo III. in der alten Konstantinischen Basilika, dem Vorläufer der heutigen, Karl den Großen zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Dieser Akt besiegelte die Verschmelzung von geistlicher und weltlicher Macht, die das mittelalterliche Europa jahrhundertelang prägen sollte. Es handelte sich nicht nur um einen religiösen Ritus: es war die symbolische Gründung einer kontinentalen politischen Ordnung.

Der Bau als theologischer Skandal

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts hatte Papst Julius II. den Abriss der alten Konstantinischen Basilika und den Bau der neuen eingeleitet. Um das außerordentliche Werk zu finanzieren, verkaufte die Kirche in ganz Europa vollständige Ablassbriefe. Im Jahr 1517 veröffentlichte ein deutscher Augustinermönch — Martin Luther — seine 95 Thesen gegen diese Praxis. Der Bau des Petersdoms war so, mittelbar, einer der Auslöser der protestantischen Reformation und der daraus resultierenden dauerhaften Spaltung der westlichen Christenheit.

Päpstliche Krönungen

Jahrhundertelang wurden neue Päpste mit der Papstkrone in feierlichen Zeremonien im Petersdom gekrönt. Die letzte traditionelle Krönung war die von Paul VI. im Jahr 1963: Seitdem wurde die Zeremonie durch die Amtseinführung des Petrusamtes ersetzt, ohne Tiara. Diese symbolische Transformation hat die visuelle Darstellung des Papsttums in der Gegenwart neu definiert.

Das Erste und Zweite Vatikanische Konzil

Zwei der bedeutendsten ökumenischen Konzilien der modernen Geschichte fanden im Petersdom statt:

  • Vatikanum I (1869–1870): definierte das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit. Ausgesetzt, als 1870 italienische Truppen in Rom einrückten.
  • Vatikanum II (1962–1965): eröffnet von Johannes XXIII., das bestbesuchte Konzil der Geschichte (über 2.500 Bischöfe). Die Sitzungen fanden in der Basilika statt. Es definierte das Verhältnis der Kirche zur modernen Welt, zum Ökumenismus und zur Liturgie neu.

13. Mai 1981: das Attentat auf Johannes Paul II.

Um 17:17 Uhr am 13. Mai 1981 wurde Johannes Paul II., während er auf dem Petersplatz mit dem Papamobil durch die Menge fuhr, vom türkischen Staatsbürger Mehmet Ali Ağca angeschossen. Er überlebte. Am 27. Dezember desselben Jahres besuchte der Papst seinen Attentäter im Gefängnis. Im Jahr 2000 wurde Ağca während des Jubilums vom Präsidenten der Italienischen Republik begnadigt und in die Türkei abgeschoben. Das Attentat und die anschließende Szene der Versöhnung wurden zu einem der prägendsten symbolischen Momente des Pontifikats von Wojtyla.

Der Petersdom in der Literatur

Goethe beschreibt in der Italienischen Reise (1786–1788) den Platz und die Basilika mit einem Staunen, das Jahrhunderte überbrückt. Henry James verzeichnet in seinen italienischen Essays den überwältigenden Eindruck, den die Basilika auf den angelsächsischen Beobachter macht. Stendhal platziert in San Pietro einige seiner Reflexionen über das Schöne in Italien. Hawthorne verwendet im Roman Der Marmorfaun (1860) die Basilika als Hintergrund für Meditationen über Sünde und Erlösung.

Die Basilika erscheint in der Literatur nicht nur als Architektur, sondern als moralischer Raum: ein Ort, an dem Figuren ihre eigene Kleinheit gegenüber dem Absoluten ermessen.

Kino und zeitgenössische Vorstellungswelt

Der Petersdom ist einer der bekanntesten Schauplätze im Weltkino. Von Quo Vadis (1951) bis zum Thriller Illuminati (2009, nach Dan Brown) haben die Basilika und der Platz Dutzende von Produktionen beherbergt oder inspiriert. Die Ikonizität der Kuppel und des Platzes macht sie zu fast automatischen Drehorten für Erzählungen, die Macht, Glaube, Grandiosität oder die Konfrontation zwischen Individuum und Institution beschwören wollen.

Die Pilgerfahrt und die Ad-Limina-Tradition

Seit dem Mittelalter sind Millionen von Gläubigen die großen Pilgerrouten (Via Francigena, den Weg nach Rom) gegangen, um das Grab des Petrus zu erreichen. Noch heute sind katholische Bischöfe aus aller Welt verpflichtet, alle fünf Jahre die Ad-Limina-Apostolorum-Visite — wörtlich „zur Schwelle der Apostel" — an den Gräbern von Petrus und Paulus abzuleisten.

Der Petersdom als Maß der Welt

Im Boden des Hauptschiffs befinden sich Inschriften, die die Längen der bedeutendsten Kathedralen der Welt im Vergleich zum Petersdom angeben. Die stille Botschaft jener Zeichen im Marmor ist immer dieselbe: nichts ist größer.

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Häufige Fragen

Was hat der Petersdom mit der protestantischen Reformation zu tun? Der Verkauf von Ablässen zur Finanzierung des Neubaus war eine der Praktiken, die Luther in seinen 95 Thesen von 1517 kritisierte. Der Petersdom ist damit eine der mittelbaren Ursachen für die Spaltung der westlichen Christenheit.

Ist Johannes Paul II. im Petersdom begraben? Ja. Nach seinem Tod im Jahr 2005 wurde er in den Vatikanischen Grotten beigesetzt. Nach seiner Seligsprechung im Jahr 2011 wurden seine sterblichen Überreste in die Kapelle des heiligen Sebastian im rechten Seitenschiff der oberen Basilika überführt.

Wo fanden die Vatikanischen Konzilien statt? In der Basilika des Heiligen Petrus, die aufgrund ihrer Größe das einzige katholische Gotteshaus ist, das die gesamte bischöfliche Weltkirche beherbergen kann.

Artikel Nr. 136 — TIER S — MON-07 Petersdom Typ: HISTORISCH Wörter: ~1.000

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