Vier Meisterwerke in einem einzigen Museum
Kein anderes Museum der Welt bewahrt vier große Bernini-Skulpturen in dem Saal auf, für den sie geschaffen wurden. Die Galleria Borghese beherbergt die vier Frühwerke des Meisters, die zusammengenommen das Konzept der Marmorskulptur neu definierten.
Bernini war unter dreißig, als er alle vier Werke vollendete. Ihre Entstehung erstreckt sich von 1618 bis 1625 — sieben Jahre, in denen ein junger Künstler Marmor in Erzählung, Emotion und Bewegung verwandelte.
Aeneas, Anchises und Ascanius (1618–1619)
Das erste große Auftragswerk von Scipione. Bernini war neunzehn oder zwanzig Jahre alt.
Das Sujet ist die vergilische Episode der Flucht aus Troja: Aeneas trägt seinen alten Vater Anchises auf den Schultern, der die Penaten (Hausgötter) hält, während der kleine Ascanius die heilige Flamme trägt.
Technisch zeigt die Gruppe noch den Einfluss des Vaters Pietro Bernini in der glatten Oberfläche und der frontalen Konzeption. Aber in der psychologischen Darstellung — das sichtbare Gewicht des Alten, die Muskelspannung des Aeneas, die Anmut des Kindes — sind die Züge des späteren Bernini schon erkennbar.
Der Raub der Proserpina (1621–1622)
Hier vollzieht Bernini einen qualitativen Sprung, der noch heute staunen lässt. Pluto, Gott der Unterwelt, packt Proserpina, um sie in sein Reich zu bringen. Die junge Göttin wehrt sich, drückt mit der Hand das Gesicht des Entführers weg.
Das technische Wunder liegt in den Fingern Plutos, die in Proserpinas Fleisch einsinken: der Marmor verhält sich wie lebendiges Fleisch unter Druck. Die Wirkung ist überwältigend, weil Marmor das härteste Material ist, das es gibt, und dennoch nachzugeben scheint.
Bernini war dreiundzwanzig Jahre alt. Das Werk entstand in weniger als einem Jahr.
Apoll und Daphne (1622–1625)
Das absolute Meisterwerk. Der von Bernini gewählte Moment ist jener der Verwandlung: Apoll erreicht Daphne, die ihren Vater Peneus anruft, während sie sich in einen Lorbeerbaum verwandelt. Die Finger werden zu Blättern, die Füße zu Wurzeln, die Haut zu Rinde.
Bernini hält den genauen Augenblick fest, in dem die Verwandlung auf halbem Weg ist: Daphne ist im Oberkörper noch Frau, unten bereits Baum. Die Skulptur muss umkreist werden, um die vollständige Gruppe zu sehen — eine Innovation, die mit der Tradition der für die Frontalansicht konzipierten Skulptur bricht.
Die Geschwindigkeit der Bewegung, die Leichtigkeit der Figuren (Apolls Füße berühren kaum den Boden), die differenzierte Textur von Fleisch, Blättern und Rinde: dies ist das Werk, das Winckelmann dazu veranlasste zu sagen, Bernini sei der größte Bildhauer seit der Antike.
Eine am Sockel von Maffeo Barberini (dem späteren Urban VIII.) hinzugefügte Schriftrolle lautet: Quisquis amans sequitur fugitivae gaudia formae / fronde manus implet, baccas seu carpit amaras (Wer liebend den Freuden einer flüchtigen Gestalt nachjagt, füllt die Hände mit Laub oder pflückt bittere Beeren) — ein moralisierendes Kommentar, das das heidnische Sujet in einem kirchlichen Umfeld rechtfertigen sollte.
David (1623–1624)
Die letzte der vier Gruppen ist auch die persönlichste. Berninis David ist nicht der ruhige und triumphierende David Michelangelos: es ist David in dem Augenblick unmittelbar vor dem Schleudern des Steins gegen Goliath.
Das Gesicht ist vor Anstrengung verzerrt, die Lippen zusammengepresst, die Augen auf den Feind gerichtet. Es heißt, Bernini habe während des Bildhauens in einen Spiegel geschaut, um seinen eigenen Gesichtsausdruck intensiver Konzentration nachzubilden — und dass Scipione Borghese den Spiegel selbst gehalten habe.
Der Körper ist wie eine Feder gespannt. Die Skulptur führt das Konzept des impliziten Raums ein: Goliath ist nicht physisch anwesend, aber die Flugbahn des Steins schafft eine Leerstelle, die der Betrachter sich vorstellen soll.
Wo sie zu finden sind
Die vier Skulpturen sind in den ersten Sälen des Erdgeschosses der Galleria Borghese verteilt:
- Saal II: Der Raub der Proserpina
- Saal III: Apoll und Daphne
- Saal IV: Aeneas, Anchises und Ascanius und David
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Häufig gestellte Fragen
Wie alt war Bernini, als er Apoll und Daphne schuf? Er war zwischen dreiundzwanzig und sechsundzwanzig Jahre alt: die Skulptur entstand zwischen 1622 und 1625.
Wo befinden sich Berninis Skulpturen in der Galleria Borghese? In den Sälen II, III und IV des Erdgeschosses, genau dort, wo sie ursprünglich für Scipione Borghese aufgestellt wurden.
Ähnelt Berninis David dem David Michelangelos? Sie sind völlig verschieden: Michelangelo zeigt einen ruhigen David vor der Schlacht; Bernini erfasst ihn im angespannten Moment des Schleuderwurfs.
Artikel Nr. 162 — TIER S — MON-09 Galleria Borghese Typ: HISTORISCH Wörter: ~750