Eine natürliche Filmkulisse

Piazza Navona ist eine Filmkulisse. Ihre Form, die Proportionen der Fassaden, die Abfolge der drei Brunnen, das Licht, das sich vom Morgen bis zum Abend verändert — all das schafft einen theatralischen Raum, den Filmemacher und Schriftsteller systematisch genutzt haben, um Rom zu beschwören.

Das ist keine neuere Entscheidung: Die Vedutisten des 18. Jahrhunderts malten sie bereits als ideale Kulisse; die Romanschriftsteller des 19. Jahrhunderts zitierten sie bereits als Kardinalpunkt der Stadt. Das 20. Jahrhundert fügte das Kino hinzu, und der Kreislauf vollendete sich: Heute ist der Platz untrennbar von den Bildern, die von ihm konstruiert wurden.

Die Literatur: Die Begründer des Imaginären

Goethe war der erste große literarische Zeuge des modernen Roms. In seiner Italienischen Reise (1816–1817) ist Rom nicht Kulisse, sondern Protagonist, und Piazza Navona — mit seinem wimmelnden Leben, dem Markt, den Stimmen — verkörpert jene volkstümliche Vitalität, die der Dichter als Gegenmittel zur kalten nordischen Rationalität suchte.

Charles Dickens hinterließ 1845 die lebendigsten Seiten des Genres in Bilder aus Italien. Seine Beschreibung des Karnevals auf der Piazza Navona — die Konfetti, der moccolo, die maskierte Menge — ist ein Primärdokument der Literatur und ein Instrument zum historischen Verständnis einer heute verschwundenen Tradition.

Nathaniel Hawthorne siedelte seinen Roman Der Marmorfahne (The Marble Faun, 1860) in Rom an. Der Roman — als erster amerikanischer Roman mit europäischem Schauplatz — nutzt die Stadt als moralische Bühne, und Piazza Navona erscheint als Ort der Vergangenheit und des Verlustes.

Unter den Italienern haben Alberto Moravia und Giorgio Bassani ein Bild des bürgerlichen und intellektuellen Roms des 20. Jahrhunderts zurückgegeben, in dem der Platz zugleich als geographische und symbolische Koordinate erscheint.

Italienisches Kino: Rom auf der Leinwand

Ein Herz und eine Krone (William Wyler, 1953) mit Audrey Hepburn und Gregory Peck ist der Film, der mehr als jeder andere das Bild Roms als Stadt der Liebe und des Zufalls im globalen Imaginären festgeschrieben hat. Piazza Navona erscheint im Film als Hintergrund des römischen Alltags, eine der Koordinaten des Spaziergangs der Protagonisten durch die historische Innenstadt.

Federico Fellini drehte nie explizit an der Piazza Navona situierte Spielfilmszenen, doch der Platz taucht in Dokumentarfilmen und Aufnahmen des römischen Lebens auf, die seine Vision Roms als Stadt des Überschwangs und des permanenten Karnevals nährten.

Die italienischen Genrefilme des Gangster- und Polizeifilms der 1960er und 1970er Jahre — der sogenannte poliziottesco — nutzten die Straßen rund um den Platz mehrfach für Verfolgungsjagden und Nachtszenen und exploitierten den Kontrast zwischen barocker Grandiosität und dem städtischen Verfall der Zeit.

Internationales Kino

Illuminati (Ron Howard, 2009), nach Dan Browns Roman, nutzt Piazza Navona als zentrale Szene einer der spektakulärsten Sequenzen des Films. Der Protagonist Robert Langdon muss ein Rätsel lösen, das an der Fontaine der Vier Flüsse angesiedelt ist, deren Obelisk (fälschlicherweise, im Film) als eines der Signale der Illuminati-Sekte interpretiert wird. Trotz historischer Ungenauigkeiten weckte der Film erhebliches touristisches Interesse für den Platz.

To Rome with Love (Woody Allen, 2012) nutzt Rom — einschließlich Piazza Navona — als Hintergrund für eine Reihe paralleler Geschichten, die mit der amerikanischen Wahrnehmung der Stadt als Ort der Romantik und der Seltsamkeit spielen. Der Platz erscheint als Inbegriff touristischer Italianità, betrachtet mit Allens charakteristischer liebevoller Ironie.

The Talented Mr. Ripley (Anthony Minghella, 1999), teilweise in Rom und Süditalien gedreht, beschwört ein Italien der 1950er Jahre herauf, in dem der Platz als Treffpunkt und Ort sozialer Ambiguität erscheint.

Zeitgenössische Literatur

In der zeitgenössischen Belletristik auf Englisch und Italienisch erscheint Piazza Navona häufig als geographischer Meridian Roms: Es ist der Ort, an dem Figuren sich treffen, einander aus den Augen verlieren, zufällig aufeinandertreffen. In Romanen, die Rom als Kulisse nutzen, funktioniert der Platz als Identitätsmarkierung: Wer zur Piazza Navona geht, ist Tourist oder alteingesessener Römer; wer den Platz meidet, ist echter Römer.

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Häufig gestellte Fragen

In welchem Film erscheint Piazza Navona am explizitesten? Illuminati (2009) mit Tom Hanks ist der Film, der sie am explizitesten und spektakulärsten einsetzt, wenngleich mit zahlreichen historischen Freiheiten.

Hat Dickens Piazza Navona wirklich beschrieben? Ja. In Bilder aus Italien (1846) beschreibt er den römischen Karneval auf dem Platz, mit lebhaften Details zum moccolo und der Menge.

Ist Hawthornes Roman in Rom angesiedelt? Ja. Der Marmorfahne (1860) ist einer der ersten großen amerikanischen Romane, die in Europa spielen, mit Rom als Hauptschauplatz.

Artikel Nr. 159 — TIER S — MON-08 Piazza Navona Typ: HISTORISCH Wörter: ~800

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