Eine Basilika als Museum

Die Petersbasilika ist nicht nur das spirituelle Zentrum des Katholizismus — sie ist einer der außergewöhnlichsten Kunstspeicher der Welt. Im Laufe von fast fünf Jahrhunderten Bau- und Dekorationsgeschichte haben hier Michelangelo, Bernini, Raffael (als Planer), Perugino, Bramante und Maderno gearbeitet. Jede Kapelle birgt ein Meisterwerk; jeder Altar ist ein Kunstwerk für sich.

Ein wesentlicher Hinweis: Die in den Kapellen sichtbaren Altarbilder sind ausnahmslos Mosaiken, keine Gemälde. Die originalen Leinwände — von Caravaggio, Guido Reni, Valentin de Boulogne — befinden sich in der Vatikanischen Pinakothek oder andernorts. Im 18. Jahrhundert ersetzte man die Ölgemälde durch Mosaiken, weil sie durch die Feuchtigkeit gelitten hatten.

Michelangelos Pietà (1498–1499)

In der ersten Kapelle rechts beim Betreten — der Pietà-Kapelle — befindet sich die berühmteste Marmorstatue der Welt. Michelangelo war erst 23 Jahre alt, als er sie vollendete. Auftraggeber war der französische Kardinal Jean de Bilhères de Lagraulas.

Die Komposition ist revolutionär: die Madonna wirkt jung, fast so alt wie ihr auf ihrem Schoß ruhender Sohn. Michelangelo selbst erklärte die Wahl: „Keusche Frauen behalten ihre Frische viel länger als solche, die es nicht sind." Auf der Schärpe, die über den Mantel der Jungfrau läuft, steht die einzige Signatur, die Michelangelo je auf einem seiner Werke hinterlassen hat: MICHAEL ANGELUS BONAROTUS FLORENT FACIEBAT.

Seit 1972 — als ein Gestörter die Statue mit einem Hammer angriff — ist die Pietà hinter einer Panzerglas-Scheibe geschützt.

Berninis Baldachin (1623–1634)

Im Zentrum der Basilika, direkt über Petrus' Grab und unter Michelangelos Kuppel, erhebt sich Berninis bronzener Baldachin: 28,5 m hoch — so hoch wie ein siebengeschossiges Gebäude. Auftraggeber war Papst Urban VIII. Barberini.

Die vier gewundenen (salomonischen) Säulen sind von einer spiralförmigen Säule in der alten Basilika inspiriert, die man für ein Stück aus dem Salomonischen Tempel in Jerusalem hielt. Für den benötigten Bronze ließ Urban VIII. die Bronzeverkleidung des Pantheon-Portikus abmontieren. Daraus entstand das berühmte Epigramm: „Quod non fecerunt Barbari, fecerunt Barberini" — „Was die Barbaren nicht getan haben, haben die Barberini getan."

Berninis Cathedra Petri (1647–1653)

Am Ende der Apsis — dem feierlichsten Platz der Basilika — schuf Bernini die Cathedra Petri: einen vergoldeten Bronzethron, der innen einen mittelalterlichen Holzstuhl birgt, der traditionell dem Apostel Petrus zugeschrieben wird (tatsächlich karolingisch, 9. Jh.). Er wird von vier Kirchenvätern getragen: Augustinus, Ambrosius, Athanasius und Johannes Chrysostomus.

Darüber öffnet sich inmitten eines goldenen Engelschors ein Alabasterfenster von 7,5 m Durchmesser mit der Taube des Heiligen Geistes. Wenn das Licht des späten Nachmittags durch den Alabaster fällt, entsteht einer der eindrucksvollsten Momente der gesamten Barockkunst.

Die Bronzestatue des heiligen Petrus (13. Jahrhundert)

Im Hauptschiff befindet sich die Bronzestatue des thronenden heiligen Petrus, die traditionell Arnolfo di Cambio (Ende 13. Jh.) zugeschrieben wird, wenngleich die Zuschreibung umstritten ist. Der rechte Fuß ist durch Jahrhunderte von Küssen und Berührungen der Pilger glatt gerieben. Am Fest der Heiligen Petrus und Paulus (29. Juni) wird die Statue mit päpstlichen Gewändern bekleidet.

Berninis Grabmal Alexanders VII. (1671–1678)

Im linken Querschiffarm steht das Grabdenkmal Alexanders VII., das letzte große Grabmal Berninis, entstanden als er bereits über siebzig war. Besonders eindrucksvoll ist die skeletthaftige Gestalt des Todes, die unter einem polychromen Marmorvorhang hervorlugt und eine Sanduhr hält.

Giottos Navicella (restauriert, im Vorhof)

Im Vorhof (vor dem eigentlichen Eingang der Basilika) befindet sich eine Kopie und Neubearbeitung des berühmten Mosaiks von Giotto (um 1305), das die Apostel auf dem See Genezareth darstellte. Das Original war im Atrium der konstantinischen Basilika; es wurde mehrfach demontiert und ergänzt. Was man heute sieht (1628), hat wenig vom Original bewahrt — es ist jedoch das einzige überlieferte Echo von Giottos Beitrag zu St. Peter.

Die wichtigsten Kapellen

KapelleHauptwerk
Pietà-KapelleMichelangelos Pietà (1498–99)
Kapelle des AllerheiligstenBerninis Tabernakel und Poussin
Gregorianische KapelleMadonna del Soccorso (9. Jh.)
Clementinische KapelleGrab Gregors des Großen
ChorkapellePolychrome Marmorinkrustationen

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Häufig gestellte Fragen

Sind die Altarbilder originale Gemälde? Nein. Alle großen Altarbilder in der Basilika sind Mosaiken, die im 18. und 19. Jahrhundert nach Gemälden angefertigt wurden. Die Originale befinden sich in der Vatikanischen Pinakothek oder anderen Museen.

Wo genau befindet sich die Pietà? In der ersten Kapelle rechts direkt nach dem Haupteingang, durch Panzerglas auf etwa 3 m Abstand geschützt.

Darf man die Pietà fotografieren? Ja, Fotografieren ist in der Basilika ohne Blitz erlaubt. Das Glas erschwert Aufnahmen; das beste Licht herrscht am frühen Morgen.

Artikel Nr. 126 — TIER S — MON-07 Petersdom Typ: HISTORISCH Wörter: ~1.000

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