Das Vittoriano und der Faschismus

Das Vittoriano wurde 1911 eingeweiht, acht Jahre vor dem Aufstieg des Faschismus. Als Mussolini 1922 die Macht ergriff, wurde das bereits bestehende Denkmal zu einem der meistgenutzten Schauplätze der Regimepropaganda.

Die Piazza Venezia wurde zum symbolischen Zentrum des mussolinischen Roms. Vom Balkon des Palazzo Venezia, direkt dem Vittoriano gegenüber, hielt Mussolini seine berühmtesten Reden: die Kriegserklärung an Griechenland (1940), die Kriegserklärung an die USA und Großbritannien (1941), die Bekanntgabe der Invasion Äthiopiens (1935). Die Menge auf dem Platz, mit dem Vittoriano als Hintergrund, war ein wesentlicher Teil der Inszenierung.

Das faschistische Regime eigte sich die Risorgimento-Symbolik des Vittoriano an und deutete die Einigung Italiens als Vorläufer von Italiens "imperialem Schicksal" um. Die Flamme des Unbekannten Soldaten — entzündet 1921 — wurde zu einem zentralen rituellen Element der faschistischen Liturgie.

Der 25. Juli 1943 und das Ende des Regimes

Am 25. Juli 1943, nach dem Votum des Faschistischen Großrats, der Mussolinis Sturz besiegelte, erlebte Rom Szenen der Begeisterung. Einige der ersten spontanen Kundgebungen fanden genau auf der Piazza Venezia statt, unter den nun leeren Fenstern des Palazzo. Das Vittoriano blieb stiller Zeuge des Übergangs.

Die Republik und das Vittoriano

Mit der Gründung der Italienischen Republik (1946) wurde das Vittoriano seiner explizitesten monarchischen Konnotationen entkleidet, aber weder abgerissen noch neu gestaltet. Der Unbekannte Soldat — bereits Symbol der Nation und nicht des Königs — wurde zur zentralen Bezugsgröße des republikanischen Denkmals.

Der 4. November (Tag der Nationalen Einheit und der Streitkräfte) und der 2. Juni (Tag der Republik) wurden zu den beiden Hauptzeremonien am Vittoriano. In beiden legt der Präsident der Republik — statt des Königs — den Kranz am Schrein des Unbekannten Soldaten nieder.

Die Restaurierung und Wiedereröffnung (1997)

Nach Jahrzehnten der Teilschließung wurde das Vittoriano in den 1990er Jahren einer bedeutenden Restaurierung unterzogen. 1997 wurde die Terrasse der Quadrigen mit dem Panoramalift für die Öffentlichkeit wiedereröffnet — und das Denkmal fand ein neues Leben als für alle zugänglicher Ort, nicht nur als Kulisse offizieller Zeremonien.

Die Öffnung der Terrasse veränderte die öffentliche Wahrnehmung des Vittoriano grundlegend: Vom umstrittenen Symbol zum zugänglichen Aussichtspunkt gewann das Denkmal eine volkstümliche Legitimität, die es in den vorangehenden Jahrzehnten nie besessen hatte.

Das Vittoriano heute

Heute erfüllt das Vittoriano mehrere Funktionen:

  • Gedenkstätte: die Ewige Flamme, die Wachablösung, die Feiern am 4. November und 2. Juni
  • Museum: das Zentrale Risorgimento-Museum dokumentiert das 19. Jahrhundert
  • Ausstellungsraum: die Innenräume beherbergen Wechselausstellungen verschiedener Art, oft kostenlos
  • Aussichtspunkt: die Terrasse der Quadrigen gilt als das schönste Panorama Roms

Das Verhältnis der Römer zum Vittoriano hat sich gewandelt: nicht mehr nur eine verhasste „Schreibmaschine", sondern ein genutzter, fotografierter und besuchter Ort — ein lebendiger Widerspruch, wie die Geschichte, die er verkörpert.

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Häufig gestellte Fragen

Hat der Faschismus das Vittoriano strukturell verändert? Nein, es gibt keine bedeutsamen baulichen Veränderungen, die dem faschistischen Regime zuzuschreiben wären. Die propagandistische Nutzung war im Wesentlichen symbolisch und rituell, nicht architektonisch.

Wann ist die feierlichste Zeit für einen Besuch im Vittoriano? Am 4. November, dem Tag der Nationalen Einheit, mit der Präsidialzeremonie am Schrein des Unbekannten Soldaten. Einige Bereiche können vorübergehend für die Öffentlichkeit gesperrt sein.

Artikel Nr. 191 — TIER S — MON-10 Altar des Vaterlandes / Vittoriano Typ: HISTORISCH Wörter: ~590

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