Ein päpstlicher Auftrag
Im Jahr 1648 schrieb Papst Innozenz X. (Giovanni Battista Pamphilj) einen Wettbewerb für einen monumentalen Brunnen in der Mitte der Piazza Navona aus. Er lud Gian Lorenzo Bernini nicht ein: Das Verhältnis zwischen beiden war angespannt, und Bernini war der Liebling des Vorgängerpapstes Urban VIII. gewesen, der nun in Ungnade gefallen war.
Bernini fand dennoch einen Weg, das Hindernis zu umgehen. Der Überlieferung zufolge ließ er ein Silbermodell seines Entwurfs in den Pamphilj-Palast schicken. Kardinal Pamphilj zeigte es seiner Schwägerin Olimpia Maidalchini — der einflussreichsten Frau am päpstlichen Hof —, die es dem Papst zeigte. Innozenz X., beeindruckt, soll ausgerufen haben: „Man muss Bernini beauftragen, trotz jener, die es nicht wollen!"
Der Vertrag wurde 1648 vergeben, der Brunnen am 12. Juni 1651 eingeweiht.
Die Komposition
Die Struktur des Brunnens ist von außerordentlicher Originalität. Ein hohler Travertinfelsen — durchzogen von Öffnungen, Höhlen und inneren Gängen — erhebt sich aus einem achteckigen Becken. Der Fels ist von einem 16,5 Meter hohen ägyptischen Obelisken bekrönt.
An den vier Ecken des Felsens sitzen allegorische Personifikationen der vier großen Flüsse von vier Kontinenten:
- Nil (Afrika) — mit verschleiertem Haupt: Die Quellen des Nils waren damals unbekannt
- Ganges (Asien) — mit einem langen Ruder, Symbol der Schiffbarkeit des Flusses
- Donau (Europa) — das päpstliche Wappen berührend
- Río de la Plata (Amerika) — mit Münzen zu seinen Füßen, Symbol des Reichtums der Neuen Welt
Aus den Öffnungen des Felsens ragen exotische Tiere hervor: ein Löwe, ein Pferd, ein Drache, eine Palme, eine Agave — geografische und allegorische Symbole ferner Kulturen.
Der Obelisk
Der Pamphilj-Obelisk in der Mitte des Brunnens ist einer der dreizehn Obelisken Roms. Es handelt sich um ein römisches Artefakt aus dem 1.–2. Jahrhundert n. Chr., das zwar von ägyptischen Originalen inspiriert, aber in Italien gefertigt wurde: Er trägt ägyptische Inschriften — gewidmet Domitian, Vespasian und Titus — wurde aber in Rom hergestellt. Er lag zerbrochen im antiken Circus des Maxentius an der Via Appia; Innozenz X. ließ ihn auf den Platz transportieren.
Die Taube mit Olivenzweig an der Spitze des Obelisken ist das Symbol der Familie Pamphilj. Der gesamte Brunnen ist im Wesentlichen ein dynastisches Monument zur päpstlichen Herrlichkeit.
Die politische Symbolik
Der Vierströmebrunnen ist nicht nur ein Kunstwerk: Er ist ein politisches Manifest. Die vier Flüsse repräsentieren die vier damals bekannten Kontinente und versinnbildlichen die universelle Reichweite des Papsttums. Der Obelisk, Symbol ägyptischer Ewigkeit, ist mit der christlichen Taube bekrönt: Die Kirche triumphiert über die Antike. All dies befindet sich im Zentrum des Platzes, der das Herz des Roms des 17. Jahrhunderts war.
Die Legende von Bernini und Borromini
Schon seit dem 18. Jahrhundert kursierte die Geschichte, die Figur des Río de la Plata hebe den Arm in Entsetzen vor der nahe gelegenen Fassade von Sant'Agnese in Agone des Borromini, als fürchte sie, das Gebäude könnte einstürzen. Dieselbe Geschichte behauptet, der Nil verberge sein Gesicht, um die Kirche des ewigen Rivalen nicht sehen zu müssen.
Es ist eine faszinierende Legende, aber sie ist falsch: Der Brunnen wurde 1651 fertiggestellt, während Borromini die Fassade von Sant'Agnese erst 1653 begann. Bernini konnte keine Fassade verspotten, die noch gar nicht existierte.
Die skulpturale Qualität
Bernini leitete eine Werkstatt von Mitarbeitern; er schnitzte nicht alle Details persönlich. Die wichtigsten Mitarbeiter waren:
- Giacomo Antonio Fancelli — Nil
- Francesco Baratta — Río de la Plata
- Giovanni Rinaldi — Ganges
- Claude Poussin — Donau
Berninis Hand ist im Gesamtentwurf, in der Dynamik des durchbrochenen Felsens und im globalen kompositorischen Konzept erkennbar.
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Häufig gestellte Fragen
Warum trägt der Nil einen Schleier über dem Kopf? Weil die Quellen des Nils den Europäern im 17. Jahrhundert noch unbekannt waren. Der Schleier bezieht sich auf das geografische Rätsel, nicht auf eine Rivalität mit Borromini.
Hat Bernini den Brunnen persönlich gemeißelt? Bernini entwarf und leitete das Projekt, aber die Skulptur wurde von mehreren Mitarbeitern ausgeführt. Das allegorische Konzept und die architektonische Struktur stammen von ihm.
Wo befand sich der Obelisk zuvor? Er lag in drei Stücken im Circus des Maxentius an der Via Appia Antica. Innozenz X. ließ ihn restaurieren und zur Piazza Navona transportieren.
Artikel Nr. 142 — TIER S — MON-08 Piazza Navona Typ: HISTORISCH Wörter: ~800